XRP hat im August ein überraschend starkes Comeback hingelegt und den Monat mit einem Plus von fast 30 Prozent beendet. Doch die auffälligere Entwicklung spielt sich nicht beim Kurs ab: Rund 500 Millionen XRP haben Binance innerhalb von weniger als einem Jahr verlassen. Der monatliche Durchschnitt der XRP-Reserven liegt damit so niedrig wie seit Februar 2024 nicht mehr.
Das ist vor allem deshalb bemerkenswert, weil XRP weiterhin tief unter seinem Hoch von 3,66 US-Dollar handelt. Bei einem Kurs um 1,35 Dollar beträgt der Rückgang rund 63 Prozent. Normalerweise wäre in einer solchen Phase mit steigenden Börsenbeständen zu rechnen, wenn Anleger ihre Coins für Verkäufe auf Handelsplattformen schicken. Bei Binance zeigt der längerfristige Trend jedoch in die andere Richtung.
Trotz Kurscrash verschwinden XRP von Binance
Im November 2025 lagen die durchschnittlichen XRP-Reserven auf Binance noch bei rund 3,1 Milliarden Coins. Inzwischen sind es nur noch etwa 2,6 Milliarden XRP. Damit sind innerhalb von weniger als einem Jahr rund 500 Millionen XRP aus den Binance-Beständen abgeflossen.
Entscheidend ist dabei die Kombination mit der Kursentwicklung. XRP erreichte im Juli 2025 sein Hoch bei rund 3,66 Dollar und notiert heute nur noch bei etwa 1,35 Dollar. Trotz dieses massiven Wertverlusts wurden also nicht dauerhaft immer mehr XRP auf Binance eingezahlt.

Das spricht zumindest gegen das Bild eines Marktes, in dem Anleger ihre Coins in großem Stil auf die Krypto-Börse bringen, um sie dort abzustoßen.
Interessant ist zudem ein wiederkehrendes Muster in den Reserve-Daten. Bei zwischenzeitlichen XRP-Erholungen stiegen die Bestände auf Binance teilweise wieder an. Sobald der Kurs erneut zurücksetzte, gingen die Reserven jedoch wieder zurück.
Da es sich um monatliche Durchschnittswerte handelt, reagieren die Daten verzögert. Der übergeordnete Trend bleibt trotzdem klar: Immer weniger XRP liegen auf Binance.
Steckt dahinter echte XRP-Akkumulation?
Eine mögliche Erklärung ist langfristige Akkumulation. Anleger, die XRP nicht kurzfristig handeln wollen, können ihre Coins von einer Börse abziehen und in eigenen Wallets verwahren. Dadurch sinkt der unmittelbar auf der Handelsplattform verfügbare Bestand.
Genau deshalb werden fallende Börsenreserven häufig als konstruktives langfristiges Signal interpretiert. Sie können darauf hindeuten, dass ein wachsender Teil des Angebots nicht zum kurzfristigen Verkauf bereitliegt. Allerdings wäre es zu einfach, die gesamten 500 Millionen XRP automatisch privaten Käufern zuzuschreiben.
Auch Binance selbst verschiebt Bestände zwischen verschiedenen Wallets und passt seine Reserven an die Nachfrage seiner Kunden an. Solche internen Bewegungen können die Zahlen beeinflussen. Da hier jedoch der monatliche Durchschnitt betrachtet wird und der Rückgang über viele Monate anhält, lässt sich die Entwicklung schwer ausschließlich mit kurzfristigen Wallet-Verschiebungen erklären.
XRP-ETFs könnten zusätzlichen Druck auf das verfügbare Angebot ausüben
Hinzu kommt ein weiterer möglicher Faktor: die Einführung der US-Spot-Produkte auf XRP.
Ab November 2025 gingen mehrere börsengehandelte XRP-Produkte an den Start. Anders als reine Derivate halten Spot-Produkte XRP beziehungsweise ermöglichen eine direkt durch XRP gedeckte Preisexponierung. Neue Mittelzuflüsse können deshalb reale Käufe des Tokens erforderlich machen.
Der zeitliche Zusammenhang fällt auf: Ausgerechnet seit Ende 2025 ist der durchschnittliche XRP-Bestand auf Binance deutlich gefallen. Das beweist nicht, dass die ETFs für den gesamten Rückgang verantwortlich sind. Zusammen mit möglichen Abflüssen in private Wallets liefern sie jedoch eine plausible Erklärung dafür, warum immer weniger XRP auf einer der weltweit größten Kryptobörsen liegen.
Für Anleger ist deshalb vor allem die Diskrepanz entscheidend: Der Preis befindet sich weiterhin rund 63 Prozent unter seinem Hoch, während die Binance-Reserven bereits auf ein Niveau zurückgefallen sind, das zuletzt Anfang 2024 zu sehen war.
Kurzfristig garantiert das keine Rally. XRP kann trotz sinkender Börsenreserven weiter unter Verkaufsdruck geraten. Langfristig wird die Entwicklung jedoch zunehmend interessant:
Sollten die Reserven weiter fallen, während XRP die jüngste Erholung verteidigt, würde immer weniger unmittelbar verfügbares Angebot auf eine mögliche neue Nachfrage treffen. Genau diese Kombination könnte aus dem aktuellen Warnsignal des Kurscharts eine echte Chance machen.
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