Am Derivate-Markt setzt ein großer, bislang unbekannter Trader auf einen Bitcoin-Anstieg in Richtung 70.000 bis 72.000 US-Dollar bis Ende Juli. Auf Deribit liegen zum Verfall am 31. Juli besonders viele Call-Optionen genau auf diesen beiden Kursmarken. Zusammen entspricht das einem rechnerischen Brutto-Nominalwert von rund 2,5 Milliarden US-Dollar – auch wenn das nicht bedeutet, dass dieser Betrag als echtes Kapital eingesetzt wurde.
Große Optionswette für Ende Juli
Auf dem Optionsboard von Deribit konzentriert sich das Open Interest für den 31. Juli auffällig stark auf die Strikes bei 70.000 und 72.000 Dollar. Zum Zeitpunkt der Datenerfassung lagen dort mehr als 20.000 offene Call-Kontrakte je Kursniveau, mit rund 27.000 Kontrakten bei 70.000 Dollar und 21.000 bei 72.000 Dollar.
Bitcoin notierte gleichzeitig bei etwa 64.289 Dollar. Damit müsste der Kurs um knapp 8,9 % steigen, um allein die Marke von 70.000 Dollar zu erreichen.
Laut Deribit-Manager Jean-David Péquignot bestand ein größerer Blocktrade darin, 20.000 Call-Optionen auf 70.000 Dollar zu kaufen und gleichzeitig 20.000 Calls auf 72.000 Dollar zu verkaufen. Diese Konstruktion ist als Bull Call Spread bekannt.
Der Gedanke dahinter ist vergleichsweise einfach: Der Käufer setzt auf steigende Kurse, begrenzt aber seinen maximalen Gewinn auf den Bereich bis 72.000 Dollar. Durch den Verkauf der oberen Calls sinken die Kosten der Position. Den vollen Ertrag bringt die Strategie, wenn Bitcoin zum Verfall bei 72.000 Dollar oder höher liegt.
Wichtig ist dabei: Das hohe Open Interest zeigt zwar, dass sich viel Aktivität auf diesen Marken konzentriert. Es verrät aber nicht eindeutig, wem alle Positionen gehören oder ob jede einzelne davon klar bullisch gemeint ist. Dennoch spricht die gemeldete Struktur für eine gezielte Kurzfrist-Wette auf eine Erholung.
Fed-Entscheid und ETF-Flüsse werden zum Härtetest
Besonders spannend ist der Zeitpunkt. Die Optionen laufen zwei Tage nach der nächsten Sitzung der US-Notenbank Fed aus. Das Treffen des Offenmarktausschusses ist für den 28. und 29. Juli angesetzt, die Zinsentscheidung soll am 29. Juli veröffentlicht werden. Damit fällt die Wette direkt in das Zeitfenster, in dem starke Marktreaktionen auf geldpolitische Signale möglich sind.
Damit der Trade aufgeht, müsste Bitcoin in kurzer Zeit nicht nur die Lücke bis 70.000 Dollar schließen, sondern auch den Bereich um 69.000 Dollar überwinden. Genau dort sehen Analysten derzeit eine wichtige Zone, in der sich zuletzt Käufe und Verkäufe ballten.
Auch die Nachfrage über US-Spot-Bitcoin-ETFs bleibt entscheidend. In den beiden Wochen vom 6. bis 17. Juli summierten sich die Nettozuflüsse zwar auf 272 Millionen Dollar. Gleichzeitig zeigte ein einzelner Handelstag mit 424 Millionen Dollar Abflüssen, wie schnell diese Unterstützung wieder kippen kann.
Für den Markt bedeutet das: Ein nachhaltiger Anstieg über die Zone zwischen 69.000 und 70.000 Dollar wäre deutlich überzeugender, wenn er von stabilen ETF-Zuflüssen begleitet wird. Bleibt diese Bestätigung aus, könnte die große Optionsposition am Ende eher eine isolierte taktische Wette bleiben.
Die kurzfristige Wette steht im Kontrast zu den langfristigen Prognosen
Während sich diese Optionsstrategie nur auf die letzten Julitage konzentriert, bleiben die größeren Analystenprognosen deutlich breiter und uneinheitlicher. NYDIG sieht in einem negativen Szenario sogar einen möglichen Bereich um 38.000 bis 39.000 Dollar im frühen Oktober. Coinbase Institutional verweist auf mehrere Unterstützungszonen, beginnend bei 58.000 bis 59.000 Dollar.
Andere Häuser bleiben konstruktiver: Citi senkte zwar sein 12-Monats-Ziel auf 82.000 Dollar und nennt 53.000 Dollar als Bärenfall. Standard Chartered hält aber weiter an einem Ziel von 100.000 Dollar bis Ende 2026 fest, während Bernstein sogar 150.000 Dollar zum Jahresende im Raum stehen lässt.
Für den Moment ist die Lage jedoch viel einfacher: Bitcoin muss kurzfristig knapp 9 % steigen, eine wichtige Widerstandszone überwinden und dabei auf ausreichend Nachfrage treffen. Genau darauf setzt die auffällige Milliarden-Position am Derivate-Markt – und der Auslöser könnte ausgerechnet die nächste Fed-Entscheidung sein.