Bitcoin steht vor einer Frage, die für den Markt deutlich größer ist als die nächste Tageskerze: Was passiert, wenn Wall Street-Berater plötzlich nicht mehr bremsen, sondern Kapital in Bitcoin lenken? Genau dieses Szenario beschreibt Finanzberater Ric Edelman als möglichen „Flywheel-Effekt“. Schon eine kleine Krypto-Quote in riesigen Kundenportfolios könnte reichen, um den Druck auf der Käuferseite massiv zu erhöhen.
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Mehr InformationenDer Auslöser ist die regulatorische Lage in den USA. Der CLARITY Act hat am 14. Mai 2026 im Senate Banking Committee einen wichtigen Schritt geschafft, ist aber noch kein Gesetz. Genau darin liegt die Spannung: Der Markt preist bereits Hoffnung ein, doch die endgültige Freigabe steht noch aus.
Warum die Wall Street jetzt zur Bitcoin-Gefahr für Bären wird
Edelmans These ist einfach, aber brisant: Viele traditionelle Finanzhäuser haben Bitcoin nicht ignoriert, weil kein Interesse besteht, sondern weil klare Regeln fehlen. Wenn diese Unsicherheit fällt, könnten Broker, Vermögensverwalter und Fondsanbieter deutlich offensiver werden.
Besonders Morgan Stanley steht dabei im Fokus. Das Haus verwaltet enorme Kundengelder und hat seine Krypto-Aktivitäten bereits schrittweise ausgeweitet. Berichten zufolge sollen Berater inzwischen stärker mit kleinen Krypto-Quoten in Kundenportfolios arbeiten, während Morgan Stanley zugleich den Ausbau digitaler Asset-Angebote vorbereitet.
Genau hier entsteht der Hebel. Bei einem Vermögensverwalter dieser Größenordnung muss nicht die Hälfte der Kundengelder in Bitcoin fließen. Schon wenige Prozentpunkte würden ausreichen, um eine Nachfrage auszulösen, die am Bitcoin-Markt schwer zu ignorieren wäre. Edelman sieht darin eine Kettenreaktion: steigende Kurse ziehen neue Anleger an, neues Kapital treibt die Kurse weiter, und daraus entsteht ein Kreislauf, der sich selbst verstärken kann.
Diese regulatorische Marke entscheidet über den Kapitalstrom
Der wichtigste Punkt bleibt: Der CLARITY Act ist noch nicht endgültig durch. Die Zustimmung im Ausschuss war ein Durchbruch, aber das Gesetz muss weitere Hürden nehmen. Genau deshalb ist die Lage für Bitcoin so heikel. Kommt die politische Klarheit tatsächlich, könnten große Finanzhäuser ihre Zurückhaltung schneller abbauen, als viele Privatanleger erwarten.
Scheitert oder verzögert sich der Prozess dagegen, bleibt ein Teil des institutionellen Kapitals vermutlich weiter an der Seitenlinie. Für Bitcoin wäre das kein sofortiger Zusammenbruch, aber ein Dämpfer für die Erzählung vom großen Wall-Street-Schub.
Edelman geht dennoch davon aus, dass Bitcoin vor Ende 2026 über 150.000 Dollar steigen kann. Langfristig hält er sogar 500.000 Dollar pro Bitcoin bis zum Ende des Jahrzehnts für möglich. Das ist keine Garantie, sondern eine aggressive Marktwette auf Regulierung, Knappheit und institutionelle Nachfrage.
Warum das alte 60/40-Portfolio unter Druck gerät
Edelmans Argument geht über Bitcoin hinaus. Er stellt das klassische 60/40-Portfolio infrage, also 60 Prozent Aktien und 40 Prozent Anleihen. Dieses Modell sei für eine Welt gebaut worden, in der Ruhestand kürzer und Lebenserwartung niedriger war.
Wenn Menschen häufiger 90 oder 100 Jahre alt werden, reicht ein defensives Portfolio möglicherweise nicht mehr aus. Edelman plädiert deshalb für deutlich mehr Wachstumswerte, auch im Alter. Innerhalb dieses Wachstumsanteils sieht er Krypto nicht mehr als exotische Beimischung, sondern als eigenen Baustein.
Für viele Anleger bleibt das riskant. Bitcoin kann stark steigen, aber auch brutal korrigieren. Genau deshalb ist die entscheidende Frage nicht, ob Wall Street Bitcoin entdeckt hat. Die entscheidende Frage lautet, ob aus kleinen Portfolioquoten ein dauerhafter Kapitalstrom wird.
Solange die Regulierung offen ist, bleibt die 150.000-Dollar-Wette eine Erwartung. Wenn die Regeln aber wirklich kommen und große Beraterplattformen Bitcoin aktiv in Portfolios einbauen, wird aus dieser Erwartung plötzlich Kaufdruck. Genau diese Schwelle entscheidet jetzt darüber, ob Bitcoin nur eine weitere Erholung zeigt oder ob der nächste institutionelle Schub beginnt.