Zcash (ZEC) hat in den letzten Monaten eine beeindruckende Rally hingelegt. Nach Angaben von Josh Swihart, einem langjährigen Zcash-Unterstützer, ist der Kursanstieg von rund 1.500 Prozent kein Zufall, sondern das Ergebnis eines mehrjährigen Umbaus. Er nennt dabei vor allem drei Gründe: eine neue Governance-Struktur, einen stärkeren Fokus auf Produkte und Nutzer sowie einen organisatorischen Neustart rund um das Entwicklerteam.
Warum Zcash laut Swihart gerade so stark ist
Swihart erinnert daran, dass Zcash vor drei Jahren zwar starke Kryptografie hatte, aber kaum Momentum. ZEC lag damals um die 30 US-Dollar, weniger als 11 Prozent des Angebots war „shielded“ (also abgeschirmt und privat), und die Community stritt viel über Governance.
Heute sieht das Bild laut Swihart deutlich anders aus: ZEC notierte zuletzt im Bereich um 600 US-Dollar, etwa 31 Prozent des Angebots sollen shielded sein, über 3 Milliarden US-Dollar an Wert lägen in von Nutzern selbst kontrollierten shielded Wallets. Außerdem soll der Anteil shielded Transaktionen Mitte März zeitweise bei 86,5 Prozent gelegen haben. Für ihn ist das ein Signal, dass mehr Menschen die Privatsphäre-Funktion aktiv nutzen und nicht nur „auf dem Papier“ existiert.
Governance-Neustart: Weniger feste Geldströme, weniger Vetos
Der wichtigste Punkt ist für Swihart der Governance-Reset. In den ersten Jahren gingen 20 Prozent der Blockbelohnung an zentrale Institutionen des Ökosystems. Das habe Abhängigkeiten geschaffen: Wer garantiertes Funding bekommt, hat schnell auch überproportionalen Einfluss auf die Richtung des Projekts.
2024 kam dann die große Änderung: Electric Coin Co. (ECC) kündigte an, keine direkte Finanzierung mehr anzunehmen. Mit Network Upgrade 6 wurde das Modell anschließend umgebaut. Ein Teil der Mittel (8 Prozent) ging an Zcash Community Grants, weitere 12 Prozent wandern in eine protokollgesteuerte „Lockbox“. Diese soll es ZEC-Holdern ermöglichen, später rückwirkend Zuschüsse an Beitragende zu verteilen, die nachweisbaren Nutzen geliefert haben. Beide Mechanismen laufen Ende 2028 aus, falls sie nicht mit sehr breitem Community-Konsens verlängert werden.
Auch das Thema Markenrechte spielte laut Swihart eine Rolle. ECC kündigte im August 2024 an, die Trademark-Vereinbarung zu beenden, und die Zcash Foundation entschied später, die Marke nicht für Governance einzusetzen. Swiharts Fazit: Damit seien Strukturen gefallen, in denen einzelne Organisationen effektiv eine Art Vetorecht hatten. Er beschreibt es als Moment, in dem Zcash „freier“ wurde und mehr Gruppen im Ökosystem Gehör bekamen.
Produktfokus, neues Narrativ und ZODL: Das soll als Nächstes kommen
Der zweite große Treiber sei der Produktfokus. Swihart zufolge hat ECC Anfang 2024 stärker auf Nutzerwachstum umgestellt, nachdem die Technik zwar stark, der Alltagseinsatz aber zu gering war. Er verweist auf eine damals negative Stimmung in der Community und auf Umfragewerte, die ein deutliches Unzufriedenheitsbild gezeigt haben.
Ein sichtbares Ergebnis dieser Wende ist die Wallet Zashi, die später zu „Zodl“ umbenannt wurde. Sie setzte von Beginn an auf shielded-by-default, brachte Hardware-Wallet-Support und integrierte Swap-Funktionen. Laut Swihart stieg der shielded Anteil am Gesamtangebot bis Ende 2025 von rund 11 auf etwa 30 Prozent. Außerdem sollen seit Oktober über 600 Millionen US-Dollar an ZEC über die Swap-Funktion bewegt worden sein. Wichtig ist ihm dabei die Interpretation: Das seien nicht einfach nur Exchange-Bestände, sondern Menschen, die Private-Transaktionen nutzen und ihre Coins selbst verwahren.
Dazu kommt ein neues Framing. Swihart meint, das Label „Privacy Coin“ habe ZEC oft automatisch in eine Ecke gestellt, die mit Delistings, regulatorischem Druck und Skepsis bei Institutionellen verbunden ist. Stattdessen werde nun stärker über „unstoppable private money“ gesprochen, also privates Geld, das sich nicht leicht stoppen lässt. Er nennt als Beispiele für mehr Reichweite und Zugang unter anderem ein Listing bei Robinhood, eine offengelegte Position von Multicoin, eine ETF-Einreichung von Grayscale sowie einen Zcash-Mining-Pool von Foundry.
Der dritte Punkt ist der organisatorische Neustart: Im Januar 2026 habe sich das ECC-Team nach einem Streit mit dem Bootstrap-Board neu aufgestellt und Zcash Open Development Lab (ZODL) gegründet. Swihart sagt, Zcash brauche für Consumer-Produkte Tempo und Startup-Kapital. ZODL habe danach 25 Millionen US-Dollar eingesammelt, unter anderem von Paradigm, a16z crypto, Winklevoss Capital, Coinbase Ventures, Cypherpunk Technologies, Chapter One und Balaji Srinivasan.
Inhaltlich sollen als Nächstes vor allem UX und Skalierung verbessert werden. Genannt werden schnellere Abläufe, mehr Swap-Optionen, besseres On- und Offboarding sowie Funktionen wie In-App-Abstimmungen für Coin-Holder. Technisch steht zudem die Skalierung auf der Agenda: Zcash zielt auf Blockzeiten von 25 Sekunden statt 75 Sekunden. Außerdem arbeitet das Projekt Tachyon laut Swihart an einer Umstrukturierung, bei der „stateless wallets“ mit rekursiven Zero-Knowledge-Proofs eine Rolle spielen sollen. Auch „post-quantum readiness“ wird als Priorität genannt, also Vorbereitung auf Risiken durch Quantencomputer.
Zum Zeitpunkt der Aussage lag ZEC laut Artikel bei rund 570 US-Dollar. Ob die Rally weitergeht, hängt am Ende auch vom Gesamtmarkt ab. Swiharts Kernaussage ist jedoch klar: Der jüngste Schub sei vor allem hausgemacht, weil Governance, Produkt und Organisation gleichzeitig neu sortiert wurden.