Bei XRP mehren sich derzeit die Zeichen einer nachlassenden Nachfrage. Mehrere wichtige Marktindikatoren zeigen Schwäche – von ETF-Abflüssen über sinkendes Interesse am Futures-Markt bis hin zu einer deutlich ruhigeren Aktivität auf dem XRP Ledger (XRPL). Gleichzeitig wächst auf der Netzwerkseite aber eine milliardenschwere institutionelle Pipeline heran, die dem Ökosystem langfristig neuen Schub geben könnte.
XRP unter Druck: ETF-Abflüsse, weniger Futures-Interesse und schwächere Netzwerkdaten
In der Woche bis zum 10. Juli verzeichneten US-Spot-ETFs auf XRP laut SoSoValue Nettoabflüsse von rund 7,2 Millionen US-Dollar. Damit endete eine Serie von neun Wochen mit Zuflüssen, in der fast 200 Millionen US-Dollar in die Produkte geflossen waren.
Zwar ist dieser Rückgang im größeren Bild noch überschaubar: Seit dem Start sammelten die XRP-ETFs insgesamt 1,48 Milliarden US-Dollar an Nettomitteln ein, das verwaltete Vermögen lag zuletzt bei knapp 1 Milliarde US-Dollar. Dennoch fällt der Abfluss in eine Phase, in der auch andere Signale auf eine Abkühlung hindeuten.
Besonders deutlich wird das am Terminmarkt. Das weltweite Open Interest in XRP-Futures sank laut CoinGlass von knapp 3 Milliarden US-Dollar im Juni auf etwa 2,3 Milliarden US-Dollar zur Mitte des Juli. Damit verschwanden in kurzer Zeit rund 700 Millionen US-Dollar an gehebelten Wetten aus dem Markt.
Auf Binance war der Rückgang ebenfalls klar zu sehen: Dort fiel das Open Interest von über 500 Millionen US-Dollar Mitte Juni auf 399 Millionen US-Dollar bis zum 10. Juli. Gleichzeitig stiegen die Liquidationen von Long-Positionen gegenüber der Vorwoche um 94 Prozent und lagen deutlich über dem Dreimonatsdurchschnitt. Short-Liquidationen gingen hingegen stark zurück.
Auffällig ist dabei, dass die Funding Rate für XRP auf Binance gleichzeitig kräftig anzog. Das deutet darauf hin, dass die verbliebenen bullischen Trader höhere Aufschläge zahlen, um ihre Long-Positionen in einem kleiner werdenden Derivatemarkt zu halten. Sollte der Kurs weiter nachgeben, könnte das den Druck auf diese Positionen zusätzlich erhöhen.
XRPL wird ruhiger – doch bestehende Dienste sorgen weiter für Aktivität
Auch direkt auf dem XRP Ledger hat sich die Dynamik zuletzt spürbar abgeschwächt. Die Analyseplattform Santiment meldete für diese Woche nur 25.350 aktive Wallets – den zweitschwächsten Tageswert des laufenden Jahres. Noch deutlicher fiel der Rückgang bei neuen Wallets aus: Ihre Zahl sank auf 2.130 und damit auf den niedrigsten Stand seit November 2024.
Damit wird klar: Neue Nutzer kommen derzeit nur zögerlich ins Netzwerk. Der kurze Impuls durch Käufe bei Kursrückgängen Ende Juni ist wieder abgeebbt, ohne dass sich daraus ein dauerhafter Trend entwickelt hätte.
Ganz verschwunden ist die Aktivität auf XRPL aber nicht. Vielmehr scheint sie sich stärker auf bereits etablierte Dienste und Anwendungen zu konzentrieren. Der XRPL-Validator Vet berichtete, dass Transaktionen mit sogenannten Source Tags um 28,6 Prozent zugenommen haben. Die Zahl dieser Tags stieg um 13 Prozent. Solche Kennzeichnungen werden häufig von Börsen, Zahlungsanbietern und anderen Plattformen genutzt, um Kundentransaktionen auf Sammelkonten zuzuordnen.
Das spricht dafür, dass professionelle oder servicebasierte Nutzung weiterläuft, auch wenn die Breite des Netzwerks sinkt. Daten von CryptoQuant zeigen ein ähnliches Bild: Die Zahl der Transaktionen legte im Wochen- und Monatsvergleich leicht zu, lag aber noch immer etwa 21 Prozent unter dem Dreimonatsdurchschnitt. Auch die aktiven Adressen blieben unter ihrem längerfristigen Mittelwert.
Unterm Strich bedeutet das: XRPL ist nicht inaktiv, aber die Nutzung wird schmaler. Bestehende Anwendungen erzeugen weiter Volumen, während das organische Wachstum bei neuen Teilnehmern derzeit stockt.
Institutionelle Pipeline auf XRPL wächst auf 4 Milliarden US-Dollar
Trotz der aktuellen Marktschwäche könnte ausgerechnet die institutionelle Entwicklung auf XRPL zum entscheidenden Faktor für XRP werden. Während der Token in den vergangenen sieben Tagen um rund 5 Prozent auf etwa 1,11 US-Dollar gefallen ist, baut das Netzwerk seine Rolle im Bereich tokenisierter Vermögenswerte weiter aus.
Nach Angaben von Evernorth beläuft sich das Volumen tokenisierter Real-World Assets im XRPL-Umfeld inzwischen auf rund 4 Milliarden US-Dollar, verteilt auf mehr als 500 Produkte. Das ist ein klares Signal dafür, dass sich XRPL zunehmend als Infrastruktur für institutionelle Anwendungen positioniert.
Ein zentrales Thema ist dabei Datenschutz. Mit dem vorgeschlagenen Standard XLS-96 sollen vertrauliche Transfers für Multi-Purpose Tokens möglich werden. Geplant ist der Einsatz von Verschlüsselung und Zero-Knowledge-Proofs, damit Guthaben und Transaktionsbeträge verborgen bleiben, Validatoren aber trotzdem die Einhaltung der Netzwerkregeln prüfen können.
Zusätzlich ist eine selektive Offenlegung vorgesehen. Emittenten könnten Informationen gezielt an Aufsichtsbehörden oder Prüfer weitergeben, ohne alle Daten öffentlich machen zu müssen. Auch Kontrollmechanismen wie das Einfrieren oder Zurückholen von Vermögenswerten sollen für vertrauliche Assets erhalten bleiben.
Für Banken, Vermögensverwalter und andere Finanzhäuser ist das ein wichtiger Punkt. Viele Institutionen wollen keine öffentlichen Einblicke in ihre Sicherheiten, Zahlungsströme oder Handelspositionen geben. Genau hier könnte XRPL mit mehr Vertraulichkeit attraktiver werden.
Dass es bereits konkrete Anwendungsfälle gibt, zeigte ein Projekt im Mai: Ondo Finance, Ripple, Mastercard und JPMorgans Kinexys-Plattform führten gemeinsam eine grenzüberschreitende Rücknahme eines tokenisierten US-Staatsanleihenprodukts durch. Der tokenisierte Vermögenswert wurde in weniger als fünf Sekunden über XRPL verarbeitet, während die Dollar-Zahlung über die Bankeninfrastruktur von JPMorgan lief.
Das Beispiel zeigt, wie XRPL mit klassischer Finanzinfrastruktur zusammenspielen kann. Sollte diese Entwicklung weiter Fahrt aufnehmen, könnte daraus auch neue Nachfrage nach XRP entstehen – etwa wenn der Token für Liquidität, Transaktionsgebühren, Sicherheiten oder Abwicklung genutzt wird.
Noch ist davon im Markt wenig zu sehen. Kurzfristig überwiegen bei XRP die Zeichen der Abkühlung. Langfristig könnte die wachsende institutionelle Nutzung des XRPL aber zum entscheidenden Treiber werden, wenn aus technischer Infrastruktur tatsächlich nachhaltige Nachfrage nach dem Token entsteht.