XRP bei 1 Dollar Anleger warten auf 2 Dollar Befreiung

XRP bei 1 Dollar Anleger warten auf 2 Dollar Befreiung
XRP bei 1 Dollar Anleger warten auf 2 Dollar Befreiung (BitcoinBasis.de | Image GPT - KI generiert)

XRP hat sich zwar im Bereich von 1 US-Dollar stabilisiert, doch für viele Anleger ist von Entspannung noch keine Rede. Vor allem Investoren, die vor sechs bis zwölf Monaten eingestiegen sind, sitzen laut Daten von Glassnode weiterhin auf deutlichen Buchverlusten. Ihre durchschnittliche Kostenbasis liegt bei rund 2,22 Dollar und damit weit über dem Kurs von 1,08 Dollar am 14. Juli.

Viele XRP-Halter bleiben tief im Minus

Glassnode misst mit dem sogenannten „Realized Price“, zu welchem Durchschnittspreis sich Coins zuletzt on-chain bewegt haben. Daraus lässt sich ableiten, auf welchem Kursniveau verschiedene Anlegergruppen eingekauft haben.

Besonders belastet ist die Gruppe der Käufer aus den vergangenen sechs bis zwölf Monaten. Sie bräuchte von den aktuellen Niveaus aus einen Kursanstieg von etwa 107 Prozent, um überhaupt wieder die Gewinnschwelle zu erreichen.

Auch ältere Halter liegen noch im Minus. Die Gruppe mit einer Haltedauer von ein bis zwei Jahren kommt auf eine durchschnittliche Kostenbasis von rund 1,89 Dollar. Das liegt ebenfalls klar über dem aktuellen Spotpreis. Dagegen haben Käufer des vergangenen Monats deutlich niedriger eingekauft: Ihre realisierte Preisspanne liegt bei etwa 1,09 bis 1,11 Dollar.

Der aggregierte Realized Price von XRP liegt bei etwa 1,36 Dollar. Das ist ein wichtiger Zwischenbereich: Erst oberhalb dieser Marke würde sich das Bild für die gesamte Halterbasis langsam verbessern. Zusätzlich zeigt der Glassnode-Indikator NUPL mit einem Wert von etwa -0,252, dass über das gesamte Netzwerk hinweg derzeit unrealisierten Gewinne die Verluste nicht ausgleichen können.

Wichtig ist aber auch der methodische Hinweis: Der Realized Price basiert auf der letzten Bewegung der Coins auf der Blockchain. Dabei können nicht nur echte Käufe, sondern auch Transfers zwischen Wallets oder Verwahrstellen erfasst werden.

Der Derivatemarkt sendet gemischte Signale

Ein Blick auf die Perpetual-Futures zeigt, dass der Markt bei XRP derzeit keine klare Richtung gefunden hat. Die Funding Rates, also die regelmäßigen Ausgleichszahlungen zwischen Long- und Short-Positionen, waren am 12. Juli je nach Handelsplatz sehr unterschiedlich.

Auf manchen Börsen war das Funding leicht negativ, etwa bei Kraken mit -0,016 Prozent, was auf eine stärkere Short-Neigung hindeutet. Andere Plattformen lagen im positiven Bereich, etwa Bitget und Huobi mit +0,010 Prozent, was eher auf Long-Positionierungen schließen lässt. Binance lag in etwa neutral.

Diese Spanne zeigt: Trader setzen derzeit gleichzeitig auf steigende und fallende Kurse. Laut CoinGlass reicht die Differenz zwischen der negativsten und der positivsten Funding Rate auf den beobachteten Plattformen auf 2,6 Basispunkte. Das ist kein Extremwert, aber ein deutliches Zeichen für einen gespaltenen Markt.

Zugleich dominiert der Terminmarkt weiterhin klar das Geschehen. Das 24-Stunden-Volumen bei XRP-Futures lag zuletzt bei mehr als 1,7 Milliarden Dollar, während das Spot-Volumen nur bei rund 290 Millionen Dollar lag. Das entspricht fast einem Verhältnis von 6 zu 1. Das Open Interest liegt bei etwa 2,3 Milliarden Dollar und ist damit zwar unter den Juni-Werten, aber immer noch hoch genug, um größere Kursbewegungen zu verstärken.

Diese Kursmarken sind jetzt entscheidend

Für die kurzfristige Entwicklung sind vor allem einige Preiszonen wichtig. Ein nachhaltiger Anstieg über 1,11 Dollar würde zunächst die jüngsten Käufer in die Gewinnzone bringen. Steigt XRP weiter in Richtung 1,36 Dollar, würde sich auch das Gesamtbild für die breitere Halterbasis verbessern.

Erst darüber wartet jedoch die eigentliche Hürde: die große Verlustzone der Anleger, die bei 1,89 bis 2,22 Dollar eingestiegen sind. Sollte XRP in diese Bereiche vorstoßen, könnten viele dieser Halter versucht sein, Verkäufe zur Verlustbegrenzung oder zum Ausstieg auf Einstand vorzunehmen.

Auf der Unterseite bleibt die Marke von 1 Dollar entscheidend. Fällt XRP klar darunter, würden selbst die jüngsten Käufer in die Verlustzone rutschen. Gleichzeitig könnten dann jene Börsen unter Druck geraten, auf denen Trader aktuell für Long-Positionen bezahlen. Das würde das Risiko von weiteren Positionsauflösungen erhöhen.

Auch das makroökonomische Umfeld bleibt schwierig. Die US-Notenbank hat ihren Leitzins im Juni bei 3,50 bis 3,75 Prozent belassen und verweist auf Unsicherheiten durch geopolitische Spannungen und Inflationsrisiken. Steigende Ölpreise und ein fester US-Dollar belasten typischerweise risikoreichere Assets wie XRP zusätzlich.

Hinzu kommt ein schwaches Bild bei den US-Spot-XRP-ETFs. In der Woche vom 6. bis 10. Juli verzeichneten sie laut den vorliegenden Daten Nettoabflüsse von rund 7,2 Millionen Dollar. Im selben Zeitraum sammelten US-Spot-Bitcoin-ETFs rund 197 Millionen Dollar ein. Das spricht dafür, dass XRP im institutionellen Bereich aktuell noch nicht dieselbe Nachfrage erlebt wie Bitcoin.

Unterm Strich ist der Markt damit klar angespannt: Über 1,11 und 1,36 Dollar könnte sich das Bild aufhellen, doch erst oberhalb von 2 Dollar würde sich die Lage für viele länger gebundene Anleger wirklich entspannen. Unter 1 Dollar dagegen droht neuer Druck auf Käufer und gehebelte Long-Positionen.

Teilen
Auch Interessant
Galaxy Digital verliert 85 Mio und setzt auf KI-Rechenzentren
Kreditgeber zählt AVAX-One-Token nicht mehr als Liquidität
XRP wackelt über 1 Dollar - Hebel-Risiko verlagert sich