Der Analyst Versan Aljarrah von Black Swan Capitalist zeichnet ein deutlich größeres Bild für XRP als viele Trader, die vor allem über Kursziele sprechen. In einem Beitrag auf X erklärt er, warum XRP seiner Ansicht nach langfristig nicht nur für Zahlungen oder als Brückenwährung taugt, sondern zu einem neutralen Abwicklungsbaustein in einem digitalisierten globalen Finanzsystem werden könnte.
Aljarrah: Die Debatte um XRP läuft in die falsche Richtung
Aljarrah kritisiert, dass sich die Diskussion rund um XRP oft nur um Spekulation und kurzfristige Preisprognosen dreht. Aus seiner Sicht wird dadurch übersehen, worauf es im institutionellen Kontext wirklich ankommt: Regulierung, Einbindung von Staaten und Anerkennung durch große Finanzinstitutionen.
Sein Kernargument lautet, dass XRP nicht primär als „Krypto zum Traden“ verstanden werden sollte, sondern als mögliche neutrale Abwicklungsschicht, bei der Liquidität, Interoperabilität und politische Neutralität im Vordergrund stehen.
Drei Voraussetzungen: Staaten, Regeln, Institutionen
Damit XRP zu einem globalen Reserve Asset werden kann, nennt Aljarrah drei Bausteine, die zusammenkommen müssen: souveräne Nutzung, klare Regulierung und institutionelle Anerkennung, am Ende auch durch Akteure wie den IWF.
Zuerst gehe es um Legitimität durch Staaten, nicht um Kursbewegungen. Reservewerte wie Gold oder der US Dollar hätten ihre Rolle nicht wegen Marktgerüchten bekommen, sondern weil sie von Nationen akzeptiert und genutzt wurden. Genau hier setzt er bei XRP an: Wenn Länder XRP tatsächlich im Zahlungsverkehr und für grenzüberschreitende Abwicklung verwenden, entstehe eine andere Form der Glaubwürdigkeit als durch reine Spekulation.
Als mögliches Einsatzfeld sieht er vor allem internationale Zahlungsströme, bei denen Staaten Kosten senken, Liquidität verbessern und Abhängigkeiten reduzieren wollen. Gerade Länder mit instabilen Währungen oder starker Dollarbindung könnten laut Aljarrah interessiert sein, weil XRP als neutraler Abwicklungsanker lokale Währungen verbinden kann, ohne dass dabei automatisch ein US dominierter Settlement Pfad genutzt werden muss.
Eine seiner zugespitzten Aussagen ist, dass es weniger um „ob“, sondern um „wann“ gehe. Er behauptet zudem, dass bereits verschiedene Länder XRP in Zahlungsstrukturen integriert hätten und es für grenzüberschreitende Abwicklung genutzt werde, was die Bühne für eine spätere institutionelle Anerkennung bereite.
Der zweite Schritt sei rechtliche Klarheit. Aljarrah verweist auf den CLARITY Act als möglichen Wendepunkt, weil er die Nutzung für Institutionen erleichtern könnte, sofern Ripple als Unternehmen seinen Einfluss auf das XRP Angebot ausreichend verringert. Seine Logik: Sinkt Ripples Anteil, werde XRP für große Marktteilnehmer eher als neutral und nicht zentral gesteuert wahrgenommen, was regulatorische Hürden senken könnte.
Erst danach rückt in seinem Szenario die institutionelle Ebene stärker in den Fokus. In einem tokenisierten Finanzsystem könnte XRP, so Aljarrah, eher wie ein programmierbares Reserve und Settlement Instrument wirken. Die Bewertung würde dann weniger von Social Media Lärm abhängen, sondern stärker davon, wie viel Wert tatsächlich über entsprechende Liquiditätskorridore abgewickelt wird.
Weg vom Trading Narrativ, hin zur Finanzinfrastruktur
Zum Schluss ordnet Aljarrah XRP in eine größere Umbruchphase ein: weg von einer zentralisierten, dollarzentrierten Ordnung, hin zu einem multipolaren System, in dem digitale Assets und neutrale Settlement Technologien eine größere Rolle spielen. Für XRP Anhänger ist sein Fazit daher keine kurzfristige Trading These, sondern ein langfristiges Infrastruktur Argument über die künftige „Monetary Plumbing“ der Weltfinanzen.
Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung lag der XRP Kurs bei rund 1,3576 US Dollar.