Bei Coinbase hat die XRP-Wallet-Aktivität einen außergewöhnlichen Extremwert erreicht. Am 4. August überstieg die Zahl der auszahlenden Wallets jene der einzahlenden Wallets im Sieben-Tage-Vergleich um 10.900. Auch Binance und Crypto.com liegen seit Wochen im negativen Bereich. Das deutet auf breit angelegte Abzüge hin und könnte das kurzfristig verfügbare XRP-Angebot auf den Börsen verringern.
Für Anleger ist das zunächst ein mögliches Entlastungssignal: XRP, die auf externe Wallets verschoben werden, stehen nicht unmittelbar für einen Verkauf auf der jeweiligen Handelsplattform bereit. Doch die Daten haben eine entscheidende Einschränkung. Sie zeigen die Anzahl beteiligter Wallets, nicht die tatsächlich bewegte Menge an XRP.
Coinbase setzt einen Extremwert – deutlich tiefer als 2025
Der aktuelle Coinbase-Wert fällt besonders deutlich aus. Mit minus 10.900 Wallets liegt die Kennzahl rund 3,4-mal tiefer als beim bisherigen Tief von minus 3.200 im Juni 2025.
Das bedeutet nicht, dass exakt 10.900 Anleger ihre gesamten XRP-Bestände von Coinbase abgezogen haben. Gemessen wird vielmehr die Differenz zwischen Wallets, die XRP zur Börse senden, und Wallets, die XRP von der Plattform abziehen. Ein negativer Wert zeigt somit, dass die Auszahlungsseite klar dominiert.
Die Größenordnung macht die Entwicklung dennoch relevant. Statt eines kurzfristigen Ausschlags zeigt Coinbase einen ungewöhnlich breiten Wechsel weg von Einzahlungen und hin zu Abzügen. Anleger scheinen ihre XRP damit verstärkt außerhalb der Börse zu verwahren oder auf andere Plattformen zu verschieben.
Solche Abzüge können das direkt handelbare Angebot reduzieren. CryptoQuant-Analysen ordnen eine anhaltende Dominanz von Auszahlungen als mögliches Zeichen für Selbstverwahrung oder längerfristiges Halten ein. Sicher feststellen lässt sich diese Absicht anhand der Kennzahl jedoch nicht.
Drei Börsen gleichzeitig negativ: Darum wird das Signal stärker
Coinbase steht mit der Entwicklung nicht allein. Bereits am 17. Juli wechselten Coinbase, Binance und Crypto.com gemeinsam in den negativen Bereich. Bis Anfang August blieb die Zahl der auszahlenden Wallets auf allen drei Plattformen höher als die Zahl der einzahlenden Wallets.
Binance erreichte am 4. August einen Wert von minus 2.550 Wallets. Das ist der niedrigste Stand seit Juni 2025, als die Kennzahl bis auf minus 4.380 gefallen war. Bei Crypto.com sank der Wert auf minus 2.290 Wallets. Auch dort handelt es sich um das tiefste Niveau seit Juni 2025. Das damalige Extrem von minus 4.470 wurde bislang allerdings nicht erreicht.
Für sich genommen wären diese Werte weniger auffällig als der Coinbase-Ausschlag. Entscheidend ist die Gleichzeitigkeit: Nutzer ziehen XRP nicht nur von einer einzelnen Handelsplattform ab. Die Verschiebung zeigt sich über mehrere große Börsen hinweg und hält bereits seit der zweiten Julihälfte an. Ähnliche Phasen mit dominierenden Auszahlungen waren zuvor auch bei Coinbase und Binance beobachtet worden.
Dadurch sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass lediglich eine technische oder plattformspezifische Besonderheit hinter der Bewegung steckt. Das Verhalten betrifft einen breiteren Teil des XRP-Marktes.
Bullische Chance oder Fehlalarm? Dieser Haken entscheidet
Weniger Wallets, die XRP auf Börsen einzahlen, können grundsätzlich auf nachlassende Verkaufsbereitschaft hindeuten. Schließlich werden Kryptowährungen häufig an Handelsplätze übertragen, wenn Besitzer sie verkaufen, tauschen oder als Sicherheit einsetzen wollen.
Überwiegen dagegen die Auszahlungen, kann das kurzfristig verfügbares Verkaufsangebot vom Markt nehmen. Bleibt die Nachfrage stabil, wäre dies eine günstige Voraussetzung für den XRP-Kurs.
Genau hier liegt aber die Gefahr einer zu bullischen Interpretation. Die Kennzahl sagt nicht, ob eine Wallet zehn XRP oder zehn Millionen XRP bewegt. Tausende kleinere Auszahlungen können beim tatsächlichen Volumen deutlich weniger Gewicht besitzen als wenige große Einzahlungen.
Auch eine institutionelle Akkumulation lässt sich daraus nicht ableiten. Die XRP könnten in private Wallets, zu Verwahrern oder schlicht zu anderen Börsen übertragen worden sein. CryptoQuant weist bei vergleichbaren Daten ausdrücklich darauf hin, dass die Kennzahl Transaktionen beziehungsweise Wallet-Aktivität misst und nicht das gesamte bewegte Token-Volumen.
Jetzt entscheidet deshalb nicht allein der extreme Coinbase-Wert. Das Signal wird erst dann deutlich stärker, wenn die negativen Wallet-Zahlen anhalten und gleichzeitig auch die tatsächlichen XRP-Bestände beziehungsweise Abflussvolumen der Börsen zurückgehen.
Dreht die Kennzahl dagegen schnell wieder ins Positive oder bleiben die bewegten Mengen gering, könnte sich der vermeintliche Angebotsschock als Fehlalarm erweisen. Für XRP-Anleger zählt daher genau diese Bestätigung: Bleiben die Abzüge breit, volumenstark und über mehrere Börsen hinweg bestehen, lebt die Chance auf sinkenden Verkaufsdruck. Fehlt diese Bestätigung, ist selbst der Coinbase-Rekord noch kein Kaufsignal.