Die strategische Bitcoin-Reserve der USA rückt heute wieder ins Zentrum der Kryptomärkte. Der Finanzausschuss des US-Repräsentantenhauses berät H.R. 8957, den „American Reserve Modernization Act of 2026“, in einem sogenannten Committee Markup.
Der aktuelle Ausschusstext sieht nicht nur eine gesetzlich verankerte Bitcoin-Reserve beim US-Finanzministerium vor, sondern auch eine außergewöhnlich lange Verkaufssperre: Bitcoin in der Reserve sollen grundsätzlich mindestens 20 Jahre gehalten werden.
Für Anleger kommt die Debatte zu einem sensiblen Zeitpunkt. Bitcoin notiert aktuell bei rund 75.600 US-Dollar und damit unmittelbar über einer Zone, die nach dem jüngsten Rücksetzer kurzfristig entscheidend geworden ist. In den vergangenen 24 Stunden verlor BTC rund 1,7 Prozent.
Warum H.R. 8957 mehr ist als eine neue Krypto-Schlagzeile
Wichtig ist zunächst eine Einordnung: Die strategische Bitcoin-Reserve der USA entsteht nicht erst durch dieses Gesetz. Präsident Donald Trump hatte bereits am 6. März 2025 per Executive Order die Einrichtung einer „Strategic Bitcoin Reserve“ sowie eines separaten „United States Digital Asset Stockpile“ angeordnet. Staatlich gehaltene Bitcoin aus endgültigen Einziehungen sollten darin als Reservevermögen gehalten und grundsätzlich nicht verkauft werden.
H.R. 8957 würde dieses Konzept jedoch auf eine gesetzliche Grundlage stellen und konkrete Regeln für Verwaltung, Transparenz und Haltedauer festschreiben.
Der Finanzausschuss hat das Gesetz für seinen heutigen Full Committee Markup angesetzt. Vorsitzender des Ausschusses ist French Hill. Damit ist die heutige Sitzung noch keine endgültige Verabschiedung des Gesetzes. B
ei einem Markup diskutieren die Ausschussmitglieder den Text, beraten Änderungsanträge und können darüber abstimmen, ob das Gesetz im parlamentarischen Verfahren weiterkommt. Anschließend wären weitere Schritte im Repräsentantenhaus und im Senat notwendig.
20 Jahre kein Verkauf: Diese Regel könnte für Bitcoin entscheidend sein
Der stärkste Punkt im aktuellen Ausschusstext ist die geplante Mindesthaltedauer. Der von Bryan Steil für die heutige Sitzung eingereichte Ersatztext schreibt vor, dass Bitcoin, die in die strategische Reserve gelangen, mindestens 20 Jahre ab Inkrafttreten des Gesetzes gehalten werden müssen. Während dieser Zeit dürften die Bestände weder verkauft noch getauscht, versteigert, beliehen oder anderweitig abgegeben werden.
Erst nach Ablauf dieser Frist könnte das Finanzministerium dem Kongress empfehlen, Teile der Reserve kontrolliert freizugeben. Der Text sieht dabei eine mögliche Empfehlung für Verkäufe von bis zu zehn Prozent der Reserve innerhalb eines Zweijahreszeitraums vor.
Für den Bitcoin-Markt wäre eine solche Regel vor allem deshalb relevant, weil staatliche Bitcoin-Verkäufe immer wieder als potenzieller Angebotsdruck wahrgenommen werden. Würden qualifizierte Bundesbestände tatsächlich für zwei Jahrzehnte gebunden, wäre dieses Verkaufsrisiko für die betroffenen Coins weitgehend vom Markt genommen.
Allerdings bedeutet das Gesetz nicht, dass Washington jetzt unmittelbar Milliarden Dollar für neue Bitcoin-Käufe bereitstellt.
Der aktuelle Text verpflichtet Finanz- und Handelsministerium vielmehr dazu, innerhalb von 180 Tagen Möglichkeiten für zusätzliche Bitcoin-Käufe zu untersuchen, die für den Staatshaushalt neutral wären. Neue Steuern, Defizitausgaben, zusätzliche Kreditaufnahme oder die Verwendung staatlicher Vermögenswerte als Sicherheit sollen dafür ausdrücklich nicht autorisiert werden.
Genau diese Unterscheidung ist für Anleger wichtig: Eine gesetzliche Reserve mit langer Verkaufssperre könnte das langfristige Angebot beeinflussen. Ein unmittelbarer neuer Nachfrageschub durch ein staatliches Kaufprogramm ist mit H.R. 8957 in seiner aktuellen Form dagegen nicht beschlossen.
Zusätzlich soll das Finanzministerium ein öffentliches kryptografisches Proof-of-Reserve-System einführen. Vorgesehen sind jährliche Angaben zu Beständen, Transaktionen und der Kontrolle der Private Keys sowie eine Prüfung durch einen unabhängigen externen Auditor mit Erfahrung bei kryptografischen Nachweisen.
Bitcoin kämpft um 75.000 Dollar: Jetzt trifft Politik auf einen angeschlagenen Kurs
Die Debatte über die Bitcoin-Reserve trifft auf einen Kryptomarkt, der erst am Dienstag einen neuen politischen Rückschlag verdauen musste.
Im US-Senat scheiterte die Verfahrensabstimmung zur Weiterbehandlung des CLARITY Act. Der Entwurf sollte einen umfassenden regulatorischen Rahmen für digitale Assets schaffen. Die nötigen 60 Stimmen wurden nicht erreicht. Bitcoin fiel im Zuge der Reaktion zeitweise bis unter 75.000 Dollar.
Am Mittwoch stabilisiert sich BTC bislang im Bereich von rund 75.600 Dollar. Die Kursdaten zeigen jedoch, wie knapp die Situation bleibt: Am Dienstag fiel Bitcoin bis in den Bereich von rund 75.000 Dollar, während auf der Oberseite zuletzt zwischen etwa 78.000 und 80.000 Dollar wiederholt Verkaufsdruck aufkam.
Damit entsteht für Anleger ein klarer Konflikt. Hält die Region um 75.000 Dollar, könnte Bitcoin zunächst versuchen, den Bereich zwischen 78.000 und 80.000 Dollar zurückzuerobern. Erst darüber würde sich das kurzfristige Chartbild spürbar entspannen.
Ein nachhaltiger Bruch unter 75.000 Dollar würde dagegen zeigen, dass die politische Bitcoin-Reserve-Debatte allein derzeit nicht ausreicht, um den Verkaufsdruck aufzufangen. Nach dem gescheiterten CLARITY-Votum könnte dann die Suche nach der nächsten tragfähigen Unterstützung wieder in den Vordergrund rücken.