Tether hortet Gold wie ein Staat und verleiht USDT dagegen

Tether hortet Gold wie ein Staat und verleiht USDT dagegen
Tether hortet Gold wie ein Staat und verleiht USDT dagegen (BitcoinBasis.de | Image GPT - KI generiert)

Tether ist vor allem als größter Stablecoin-Herausgeber der Welt bekannt. Doch neben seinen riesigen Beständen an US-Staatsanleihen hat das Unternehmen in den vergangenen Monaten still und leise noch eine zweite Machtposition aufgebaut: einen Goldbestand im Wert von rund 20 Milliarden US-Dollar. Dieses Polster bewegt sich inzwischen in einer Größenordnung, die eher an staatliche Goldreserven erinnert als an ein Kryptounternehmen. Nun soll das Gold nicht mehr nur als Absicherung dienen, sondern aktiv in ein Kreditmodell eingebunden werden.

Tether sitzt auf Goldreserven im Staatsformat

Tether hat laut den genannten Zahlen rund 154 Tonnen physisches Gold aufgebaut. Bei aktuellen Marktpreisen entspricht das etwa 20 Milliarden US-Dollar. Wäre Tether eine Zentralbank, läge das Unternehmen mit diesem Bestand knapp außerhalb der 20 größten staatlichen Goldhalter weltweit.

Der Großteil dieses Goldes steckt in den Reserven von USDT, dem wichtigsten Stablecoin des Unternehmens. Etwa 132 Tonnen sollen dort liegen. Weitere rund 22 Tonnen dienen als direkte Deckung für XAUT, Tethers tokenisiertes Goldprodukt. Jeder XAUT-Token steht laut Anbieter für eine Feinunze Gold, die in Schweizer Tresoren gelagert wird.

Tether hatte Gold zunächst vor allem als Diversifikation seiner Reserven aufgebaut. Hintergrund war die Idee, sich nicht nur auf Dollar-Anlagen zu verlassen. Gold gilt in diesem Zusammenhang als harter Vermögenswert, der weniger anfällig für politische Eingriffe, Sanktionen oder Einfrierungen ist als klassische Bankguthaben.

Im Vergleich zu den großen Gold-ETFs ist Tethers Bestand zwar weiterhin kleiner. Dennoch ist die Position für ein Unternehmen aus der Kryptobranche außergewöhnlich groß. Entscheidend ist dabei nicht nur die Menge, sondern die Strategie dahinter: Tether will Gold nicht einfach halten, sondern es in sein eigenes Krypto-Ökosystem einbauen.

XAUT soll als Sicherheit für Kredite dienen

Spannend wurde diese Strategie mit der Ankündigung von Ledn, XAUT künftig als Sicherheit für Kredite akzeptieren zu wollen. Nutzer sollen ihren tokenisierten Goldbestand hinterlegen und dafür einen Kredit in USDT erhalten. Später könnte auch Tethers neuer Token USAT eine Rolle spielen.

Das Prinzip ist einfach: Wer XAUT besitzt, muss sein Gold nicht verkaufen, um an Liquidität zu kommen. Stattdessen kann der Token hinterlegt werden, während der Nutzer weiterhin an möglichen Goldpreissteigerungen beteiligt bleibt. Nach vollständiger Rückzahlung des Kredits erhält er seine hinterlegte Sicherheit zurück.

Genau hier liegt der Unterschied zu klassischen Goldprodukten wie ETFs. Ein Gold-ETF läuft über Börsen, Broker, Verwahrstellen und feste Handelszeiten. XAUT ist dagegen rund um die Uhr auf der Blockchain nutzbar. Die Besicherung eines Kredits kann damit deutlich direkter und schneller erfolgen.

Für Tether ist das strategisch wichtig. Denn damit entsteht ein geschlossenes System: XAUT als Gold-Sicherheit, USDT als geliehene Liquidität und Krypto-Plattformen als Infrastruktur. Das ist mehr als nur ein neues Produkt. Es ist der Versuch, Gold in dieselbe digitale Finanzwelt einzubinden, in der Stablecoins und Krypto-Kredite schon heute genutzt werden.

Allerdings wird das Angebot nicht überall verfügbar sein. Für Nutzer in der EU und in Kanada soll das XAUT-Kreditprodukt zunächst nicht offenstehen. Tether verfolgt derzeit keine MiCA-Lizenzierung in Europa, was die regulatorische Reichweite zusätzlich begrenzt.

Große Chancen, aber auch klare Risiken

So attraktiv das Modell wirkt, es ist keineswegs risikofrei. Der erste wichtige Punkt ist die Verwahrung. Das Gold hinter XAUT liegt laut Tether in Schweizer Tresoren und wird über regelmäßige Bestätigungen geprüft. Diese Nachweise sind jedoch keine vollständigen Wirtschaftsprüfungen. Für Kritiker bleibt deshalb die Frage, wie belastbar die Transparenz im Ernstfall wirklich ist.

Hinzu kommt das Thema Einlösung. Zwar kann XAUT grundsätzlich in physisches Gold eingelöst werden, doch das ist in der Praxis nur für verifizierte Kunden und unter bestimmten Bedingungen möglich. Viele Anleger werden ihre Token daher eher am Markt verkaufen, statt sich Barren ausliefern zu lassen.

Für Kreditnehmer ist vor allem das Liquidationsrisiko entscheidend. Gold schwankt zwar meist weniger stark als Bitcoin, doch auch der Goldpreis kann deutlich fallen. Sinkt der Wert der hinterlegten XAUT-Sicherheit unter bestimmte Schwellen, kann die Plattform Nachschussforderungen stellen oder die Position liquidieren. Welche konkreten Beleihungsgrenzen gelten werden, ist bislang noch nicht veröffentlicht.

Ein weiterer Punkt ist die Konzentration auf Tether. Das Unternehmen kontrolliert in diesem Modell sowohl den Stablecoin USDT als auch das goldgedeckte Produkt XAUT. Das schafft zwar ein stimmiges Ökosystem, erhöht aber auch die Abhängigkeit von einem einzigen Emittenten. Wenn das Vertrauen in Tether leidet, könnte das gleich mehrere Teile dieser Struktur treffen.

Auch regulatorisch bleibt vieles offen. Noch ist nicht abschließend geklärt, wie goldbesicherte Krypto-Kredite in verschiedenen Rechtsräumen eingeordnet werden, welche Behörden zuständig sind und wie solche Konstruktionen im Fall einer Insolvenz behandelt würden.

Trotzdem zeigt die Entwicklung klar, wohin Tether will: weg vom reinen Stablecoin-Anbieter, hin zu einer Plattform an der Schnittstelle von digitalem Dollar, physischem Gold und besicherten Krediten. Sollte die Nachfrage nach XAUT-basierten Darlehen anziehen, könnte Tether eine ungewöhnliche Rolle im Finanzmarkt einnehmen, die so bislang weder klassische Banken noch reine Kryptofirmen in dieser Form besetzen.

Ob das Modell ein Erfolg wird, hängt am Ende von einer einfachen Frage ab: Wollen Gold-Investoren ihr digitales Gold tatsächlich als Kreditsicherheit nutzen? Die Infrastruktur dafür steht. Jetzt muss sich zeigen, ob auch echte Nachfrage folgt.

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