Bitcoin könnte laut Standard Chartered noch einmal deutlich nachgeben, bevor die nächste Aufwärtsbewegung startet. Geoffrey Kendrick, Leiter der Digital,Asset,Research,Einheit der Bank, hält einen letzten Ausverkauf bis in den Bereich von 50.000 US,Dollar für möglich, bevor sich der Kurs wieder spürbar erholt.
Warum Standard Chartered kurzfristig mit einem Rücksetzer rechnet
Kendrick sagte in Deribits Format „Crypto Options Unplugged“, dass es extrem schwer sei, den exakten Tiefpunkt zu treffen. Der jüngste Rückgang wirke für ihn insgesamt eher „geordnet“, abgesehen von einigen besonders volatilen Wochen. Gleichzeitig betont er, dass die aktuelle Schwäche weniger nach einem spezifischen Krypto,Problem aussieht, sondern eher nach einer makrogetriebenen Kapitulation, ähnlich wie sie oft bei Tech,Werten zu sehen ist.
Ein zentraler Punkt: Bitcoin und der Kryptomarkt sind aus seiner Sicht weiterhin stark mit dem Nasdaq korreliert. Sollten die Ergebnisse großer US,Technologiekonzerne in den kommenden Monaten enttäuschen und die US,Notenbank kurzfristig nicht unterstützend eingreifen, könnte das Risikoassets insgesamt belasten, inklusive Bitcoin. Genau dieses Umfeld mache ein Abrutschen auf etwa 50.000 US,Dollar plausibel.
Im Vergleich zu früheren Zyklen wäre das laut Kendrick dennoch kein extremer Einbruch. Er erinnert daran, dass Bitcoin im letzten großen Zyklus zeitweise rund 75 Prozent vom Hoch bis zum Tief verlor. Außerdem fehle bislang ein großer interner Krypto,Schock wie damals bei FTX, was die Lage zwar nicht ungefährlich, aber strukturell weniger „toxisch“ wirken lasse.
Warum Kendrick trotz allem bullish bleibt
Trotz der Warnung für die nächsten Monate bleibt Kendrick bei seinen größeren Kurszielen. Er erwartet, dass Bitcoin bis Jahresende wieder 100.000 US,Dollar erreichen kann und hält langfristig sogar 500.000 US,Dollar bis 2030 für möglich.
Seine Begründung ist weniger kurzfristiges Trading, sondern ein struktureller Trend: Stablecoins und tokenisierte reale Vermögenswerte. Kendrick verweist darauf, dass Stablecoins im vergangenen Jahr noch bei rund 200 Milliarden US,Dollar lagen und er bis Ende 2028 ein Wachstum auf 2 Billionen US,Dollar für möglich hält. Aktuell sieht er den Markt eher bei rund 300 Milliarden US,Dollar. Ein großer Teil dieser Nachfrage komme nicht mehr primär aus dem Krypto,Trading, sondern aus Spar,Anwendungen in Schwellenländern. Nach seiner Schätzung entfielen davon etwa 200 Milliarden US,Dollar auf diesen „Savings“,Use,Case, mit vergleichsweise wenig Bewegung, was eher auf Wertaufbewahrung als auf schnellen Zahlungsverkehr hindeutet.
Kendrick argumentiert außerdem, dass ein kräftiges Stablecoin,Wachstum auch Auswirkungen auf die US,Staatsanleihenmärkte haben könnte. Wenn Emittenten künftig sehr viel mehr kurzlaufende US,Treasuries kaufen, könnte das die Zinskurve abflachen und Dollar,Liquidität stärken. In seinem Szenario würde das mittelfristig auch Risikoassets stützen, also am Ende auch Bitcoin. Er nennt in diesem Zusammenhang auch die mögliche Bedeutung regulatorischer Entwicklungen wie dem „Genius Act“.
Weitere Prognosen: Ethereum, Solana und tokenisierte Assets
Seinen Optimismus weitet Kendrick auf große Altcoins aus. Für Ethereum nennt er ein Ziel von 40.000 US,Dollar bis 2030, getrieben durch Stablecoins und Tokenisierung. Solana sieht er bei 2.000 US,Dollar bis 2030, vor allem wegen sehr günstiger Transaktionen und Anwendungsfällen wie Micropayments.
Auch der Bereich tokenisierter Real,World,Assets könnte seiner Einschätzung nach stark wachsen: von etwa 40 Milliarden US,Dollar heute auf 2 Billionen US,Dollar bis Ende 2028.
Unterm Strich lautet Kendricks Botschaft: Die Kurse könnten kurzfristig noch einmal unter Druck geraten, aber viele fundamentale Adoptions,Signale würden sich verbessern. Oder wie er es formuliert: Fast alle Kennzahlen entwickeln sich positiv, nur der Preis nicht. Zum Zeitpunkt der Aussage lag Bitcoin bei rund 70.260 US,Dollar.