Michael Saylor sieht den jüngsten Bitcoin Kurs nicht deshalb ausgebremst, weil die langfristige Idee hinter Bitcoin schwächer geworden wäre. Aus seiner Sicht liegt das Problem vor allem im Kreditmarkt: Viele große Bitcoin Bestände lassen sich noch immer nicht sauber im klassischen Bankensystem beleihen. Wer trotzdem Liquidität braucht, weicht oft auf inoffizielle Finanzkanäle aus, und dort kann sogenannte Rehypothecation zusätzlichen Verkaufsdruck erzeugen.
Warum Bitcoin laut Saylor im Bankensystem noch nicht richtig angekommen ist
In einem Interview vom 27. Februar mit der Coin Stories Moderatorin Nathalie Brunell erklärte Saylor, dass der Markt zwar reifer geworden sei. Der Handel verlagere sich stärker in regulierte US Strukturen, während Derivate zunehmend von Offshore Börsen in kontrolliertere Märkte wandern. Das senke grundsätzlich die heftigen Ausschläge nach oben und nach unten.
Den entscheidenden Bremsklotz sieht er aber in der Kredit Infrastruktur. Banken seien aus seiner Sicht weiterhin langsam, wenn es darum geht, Bitcoin als vollwertige Sicherheit zu akzeptieren. Das habe Folgen, gerade weil der Markt inzwischen sehr groß ist. Saylor beschreibt die aktuelle Struktur grob als rund 2 Billionen US Dollar an Bitcoin Wert, von denen etwa 1,8 Billionen bei Privatanlegern oder Offshore Investoren liegen könnten, die kaum Zugang zu klassischen Bankkrediten haben.
Verkaufen oder teure Kredite, die Auswahl ist begrenzt
Saylor vergleicht das mit einem klassischen Depot. Wer beispielsweise Aktien großer US Konzerne wie Apple bei einer Großbank hinterlegt, könne relativ günstig einen Kredit aufnehmen und das Geld nutzen, ohne die Aktien zu verkaufen. Bei Bitcoin funktioniere das in dieser Form häufig noch nicht. Wer Bitcoin besitzt und Geld braucht, hat laut Saylor deshalb oft nur wenige Alternativen.
Die einfachste und sicherste Methode sei dann häufig, Bitcoin zu verkaufen. Genau das dämpfe wiederum die Kursentwicklung, weil in Aufwärtsphasen eher verkauft werde, statt über Kredite Liquidität zu ziehen.
Eine zweite Möglichkeit seien Kryptokreditgeber, die die hinterlegte Sicherheit nicht weiterverwenden. Diese Angebote seien laut Saylor aber klein, teuer und nicht besonders tief im Markt verankert. Er spricht von einem Volumen von möglicherweise nur wenigen Milliarden Dollar und von Zinsen, die eher deutlich über klassischen Konditionen liegen.
Als neuen Kanal nennt er zudem Bankkredite gegen Spot Bitcoin ETFs wie BlackRocks IBIT. Das gebe es zwar zunehmend, sei aber noch am Anfang und im Vergleich zu normalen besicherten Krediten ebenfalls oft teuer.
Rehypothecation als Preisdruck, weil Sicherheiten mehrfach genutzt werden
Am kritischsten bewertet Saylor die Angebote, die auf den ersten Blick besonders günstig wirken. Er sagt, ihm seien Bitcoin besicherte Kredite zu extrem niedrigen Zinsen angeboten worden, teils um 1 Prozent oder sogar 0 Prozent. Der Haken sei jedoch, dass der Kreditgeber die Bitcoin dafür übertragen bekomme und sie anschließend rehypothezieren könne, also als Sicherheit mehrfach weiterverwenden.
Genau darin sieht Saylor einen Mechanismus, der den Spotmarkt belastet. Wenn ein Intermediär die gleichen Bitcoin mehrfach als Grundlage für weitere Geschäfte nutzt, könne dadurch eine Art synthetisches Angebot entstehen. Er veranschaulicht das so: Aus 10 Millionen Dollar an hinterlegtem Bitcoin könnten durch wiederholte Weiterverwendung rechnerisch 30 oder 40 Millionen Dollar an zusätzlichem Verkaufsdruck entstehen, weil die Sicherheit im System mehrfach wirtschaftlich verwertet wird.
Sein Fazit: Was dem Markt fehle, sei ein großes, reguliertes Kreditnetz für Bitcoin, das ohne aggressive Rehypothecation funktioniert, ähnlich wie bei etablierten Wertpapier Finanzierungen. Solange Banken dafür noch Jahre brauchen, werde die Preisfindung seiner Meinung nach weiter durch Schattenkonstruktionen geprägt, die künstliche Angebots Effekte erzeugen können. Zum Zeitpunkt der Aussage lag der Bitcoin Kurs bei rund 72.236 US Dollar.