Ein mutmaßliches Krypto-Schneeballsystem rund um die Plattform DSJ Exchange (auch DSJEX) und die Gruppe „BG Wealth Sharing“ ist in sich zusammengebrochen. Laut dem On-Chain-Ermittler ZachXBT sollen dabei mehr als 150 Millionen US-Dollar eingesammelt worden sein. Brisant ist vor allem, wie schnell die Hintermänner danach versucht haben sollen, die Spur des Geldes über mehrere Blockchains zu verwischen – und dass trotzdem ein großer Teil eingefroren werden konnte.
DSJEX und BG Wealth Sharing: So lief das System angeblich ab
ZachXBT beschreibt DSJ als eine angeblich gefälschte Trading-Plattform, während „BG Wealth Sharing“ als die Investmentgruppe hinter dem Modell auftrat. Beworben worden seien tägliche Renditen von 1,3 bis 2,6 Prozent – zusätzlich mit Empfehlungsprovisionen und Bonusstufen, wie man sie aus klassischen Ponzi-Konstruktionen kennt.
Demnach lief die Rekrutierung weniger über komplizierte DeFi-Tricks, sondern vor allem über Social-Media-Kanäle und Chatgruppen. In einem BonChat-Channel, einer Messaging-App aus Hongkong, seien angeblich „Trading-Signale“ und Inhalte geteilt worden, die Seriosität vermitteln sollten. Als öffentliches Gesicht wird ein angeblicher CEO namens Stephen Beard genannt. Zudem sollen Domains und „Hot Wallets“ regelmäßig gewechselt worden sein, vermutlich um Maßnahmen von Behörden oder Plattformen zu erschweren.
Warnzeichen gab es laut ZachXBT schon vor dem Kollaps: Insgesamt 13 Aufsichtsbehörden auf fünf Kontinenten hätten öffentlich vor DSJ und BG gewarnt. In den USA wurde außerdem eine BG-nahe Domain, Bgwealthsharing.com, am 23. April 2026 von Strafverfolgern beschlagnahmt.
Der Zusammenbruch folgte dann dem bekannten Muster: Auszahlungen sollen deaktiviert worden sein, anschließend seien Nutzer aufgefordert worden, noch mehr Geld nachzuschießen. Am 2. Mai habe Beard in einem Video sogar behauptet, DSJ plane einen Börsengang, und habe eine angebliche 12-Prozent-„Steuer“ auf Kontostände verlangt. Zu diesem Zeitpunkt seien Auszahlungen laut ZachXBT aber bereits nicht mehr möglich gewesen.
92 Millionen Dollar in Tagen bewegt: Der Versuch, die Spur zu verwischen
Besonders relevant für den Markt ist die zweite Ebene des Falls: Zwischen dem 27. April und dem 3. Mai sollen die mutmaßlichen Täter mehr als 92 Millionen US-Dollar „cross-chain“ verschoben haben, also über mehrere Netzwerke hinweg. Ziel sei es gewesen, die Geldflüsse zu verschleiern und die Nachverfolgung zu erschweren.
ZachXBT schreibt, er habe die Bewegung der Gelder verfolgt und dabei unter anderem Swaps und Bridges genutzt gesehen, etwa Tokenlon, Bridgers, Butter Network sowie USDT0-Bridging. Außerdem erwähnt er das „Wrapping“ und „Unwrapping“ von USDD und die Bündelung von Beständen über Hunderte Adressen. Er veröffentlichte dazu mehrere Wallet-Adressen auf Ethereum und Tron, die nach seiner Darstellung mit der Untersuchung zusammenhängen.
Ein großer Teil der nachvollzogenen Abflüsse soll am Ende bei Einzahlungsadressen gelandet sein, die ZachXBT mit dem Verwahrdienst Cobo in Verbindung bringt. Insgesamt spricht er von über 93 Millionen US-Dollar, die aus Konsolidierungen in mehrere Deposit-Adressen geflossen seien, wobei Cobo rund 63 Millionen US-Dollar erhalten habe. Zusätzlich habe er zeitliche Muster ausgewertet, Einzahlungen auf Solana und Tron zu Binance identifiziert, passende Abhebungen auf Tron gefunden und diese Informationen an die zuständigen Stellen weitergegeben.
41,5 Millionen US-Dollar eingefroren – und was Betroffene jetzt tun können
Nach Angaben von ZachXBT führte die Zusammenarbeit mit Tether, dem Security-Team von Binance, OKX sowie US-Strafverfolgern dazu, dass mehr als 41,5 Millionen US-Dollar eingefroren wurden. Allein Tether habe am 4. Mai rund 38,4 Millionen US-Dollar blockiert. Weitere über 3,1 Millionen US-Dollar seien bei verschiedenen Diensten und Börsen eingefroren worden.
Er betont, der Fall sei technisch nicht der komplexeste, aber wichtig wegen der mutmaßlich hohen Opferzahl und der Geschwindigkeit der Geldwäscheversuche. Gleichzeitig warnt er: Die Zahl von 150 Millionen US-Dollar könnte sogar zu niedrig sein, weil das System laut seiner Darstellung seit 2025 lief und er Tausende Abhebungen von Opfer-Konten erkannt habe.
Betroffenen rät ZachXBT, Anzeige bei der örtlichen Polizei zu erstatten. In den USA sollen Opfer zusätzlich eine Meldung über IC3.gov einreichen. Auch wenn eingefrorene Beträge Hoffnung machen, gilt in solchen Fällen: Rückzahlungen sind oft langwierig und nicht garantiert.