HIVE Digital Technologies hat im jüngsten Quartal eine nicht zahlungswirksame Steuerrückstellung in Schweden über 84,7 Millionen US-Dollar gebucht. Auslöser waren negative Gerichtsentscheidungen in einem Streit um die Mehrwertsteuer. Damit überstieg die Rückstellung sogar den Quartalsumsatz des Bitcoin-Miners – und das ausgerechnet in einem Zeitraum, in dem HIVE bei der BTC-Produktion einen Rekord meldete.
Steuerrückstellung drückt HIVE tief in die roten Zahlen
Im Quartal nahm HIVE 1.004 Bitcoin ein. Das war ein deutlicher Anstieg gegenüber den 406 BTC im Vorjahreszeitraum und markiert einen neuen Höchstwert für das Unternehmen. Trotzdem stand unter dem Strich ein GAAP-Nettoverlust von 142,9 Millionen US-Dollar.
Ein wesentlicher Faktor dafür war die schwedische Steuerrückstellung. Sie lag mit 84,7 Millionen US-Dollar sogar über dem gemeldeten Quartalsumsatz von 79,1 Millionen US-Dollar. Gemessen am Kassenbestand von rund 208 Millionen US-Dollar entspricht das etwa 40,7 % der liquiden Mittel.
Allerdings ist wichtig: Die Einstufung als kurzfristige Verbindlichkeit bedeutet nicht automatisch, dass HIVE den Betrag sofort in bar zahlen muss. In den aktuellen Unterlagen nennt das Unternehmen keinen konkreten Zahlungszeitplan.
Zum hohen Verlust trugen neben der Steuerposition auch weitere Faktoren bei, darunter 53,7 Millionen US-Dollar Abschreibungen, 7,1 Millionen US-Dollar aktienbasierte Vergütung sowie eine Änderung bei der Bewertung von Derivaten in Höhe von 7,1 Millionen US-Dollar. Der gesamte Quartalsverlust ist also nicht allein auf den Steuerstreit in Schweden zurückzuführen.
Worum es im Streit mit Schweden geht
Laut Unternehmensangaben setzt sich die Rückstellung aus mehreren Teilen zusammen: rund 76,6 Millionen US-Dollar entfallen auf umstrittene Vorsteuerbeträge, 1,5 Millionen US-Dollar auf steuerliche Zuschläge und 6,6 Millionen US-Dollar auf Zinsen.
Die Rückstellung bezieht sich auf Entscheidungen oder vorgeschlagene Entscheidungen der schwedischen Steuerbehörde im Umfang von insgesamt 769,6 Millionen schwedischen Kronen. Hinzu kommen weitere 52,4 Millionen Kronen für spätere Zeiträume bis zum 30. Juni, für die zwar noch kein formeller Bescheid vorlag, die aber auf demselben Sachverhalt beruhen.
Besonders relevant: Die Zinsen laufen weiter, bis der Fall endgültig geklärt oder bezahlt ist. Das bedeutet, dass die tatsächliche finanzielle Belastung am Ende noch höher ausfallen könnte als die jetzt verbuchten 84,7 Millionen US-Dollar.
HIVE hat am 20. Juli beantragt, den Fall vor das oberste schwedische Verwaltungsgericht zu bringen. Gleichzeitig erklärte das Unternehmen aber selbst, dass seine schwedischen Rechtsberater die Chancen auf einen positiven Ausgang dort als gering einschätzen. Der Konzern wehrt sich zwar weiter gegen die Forderungen, doch die Rückstellung zeigt, dass das Management das Risiko inzwischen deutlich ernster bewertet.
Offene Fragen bei Zahlung und Liquidität
Schon im Geschäftsbericht zum 31. März hatte HIVE offengelegt, dass eine separat geforderte Tranche von 84 Millionen schwedischen Kronen – umgerechnet etwa 9,4 Millionen US-Dollar – zu diesem Zeitpunkt noch nicht bezahlt worden war. In der neuen Quartalsmeldung nennt das Unternehmen zwar die deutlich höhere Gesamtrückstellung, sagt aber nicht, ob inzwischen Zahlungen geleistet, Sicherheiten hinterlegt oder verbindliche Fristen gesetzt wurden.
Damit bleibt vor allem die Frage offen, wann HIVE tatsächlich Geld abfließen könnte. Für Investoren ist das entscheidend, denn der Miner verfügt zwar weiter über einen soliden Kassenbestand, doch die Unsicherheit rund um den Steuerfall bleibt bestehen.
Unterm Strich zeigt das Quartal ein widersprüchliches Bild: Operativ konnte HIVE seine Bitcoin-Produktion massiv steigern und die Mining-Erlöse auf 72,1 Millionen US-Dollar erhöhen. Gleichzeitig überschattet der schwedische Mehrwertsteuerstreit diese Fortschritte deutlich. Solange keine Klarheit über Berufung, Zahlungstermin und endgültige Höhe der Forderung herrscht, dürfte das Thema ein zentraler Risikofaktor für die Aktie bleiben.