Frankreich sperrt Polymarket trotz 578.751 Besuchen

Frankreich sperrt Polymarket trotz 578.751 Besuchen
Frankreich sperrt Polymarket trotz 578.751 Besuchen (BitcoinBasis.de | Image GPT - KI generiert)

Frankreich geht härter gegen Polymarket vor: Die französische Glücksspielaufsicht hat Internetanbieter angewiesen, den Zugang zur Krypto-Prognoseplattform zu sperren. Hintergrund ist, dass frühere Beschränkungen für Transaktionen aus Frankreich nach Ansicht der Behörden nicht ausgereicht haben. Trotz Geoblocking verzeichnete die Website im Juni 2026 laut Similarweb noch 578.751 Besuche und 205.057 einzelne Nutzer aus Frankreich.

Frankreich verschärft den Druck auf Polymarket

Die Autorité nationale des jeux (ANJ), also die französische Glücksspielbehörde, veröffentlichte die Anordnung am 17. Juli. Aus Sicht der Behörde hat Polymarket weiterhin ein nicht genehmigtes Glücksspielangebot beworben, obwohl die Plattform zuvor Maßnahmen eingeführt hatte, um Finanztransaktionen aus Frankreich zu unterbinden.

Schon im November 2024 war die ANJ gegen Polymarket vorgegangen. Damals kontaktierte sie laut eigener Darstellung die Betreiberfirma Adventure One QSS Inc. aus Panama. Danach wurde ein Geoblock eingerichtet, der Wetten aus Frankreich verhindern sollte. Die neue Einschätzung der Behörde lautet jedoch: Diese Sperre reichte in der Praxis nicht aus.

Entscheidend ist für Frankreich offenbar nicht nur, ob Nutzer direkt wetten können. Auch die Website selbst spielt aus Sicht der Aufsicht eine zentrale Rolle. Die Startseite von Polymarket zeigte weiterhin laufend aktualisierte Quoten und blieb damit für ein großes französisches Publikum sichtbar. Genau das wertet die ANJ als Werbung für ein aus ihrer Sicht illegales Angebot.

Mit dem neuen Schritt verlagert Frankreich den Druck. Statt nur zu verlangen, dass Polymarket bestimmte Transaktionen blockiert, sollen nun die Internetprovider den Zugang zur Website insgesamt erschweren oder verhindern.

Warum die Sperre die Website trifft, aber nicht die Blockchain

Der Fall zeigt deutlich, wo nationale Behörden bei Onchain-Plattformen tatsächlich ansetzen können. Polymarket nutzt laut eigener Dokumentation ein hybrides Modell: Die Aufträge werden off-chain abgeglichen, während abgeschlossene Trades über Smart Contracts auf Polygon abgewickelt werden.

Frankreich greift deshalb nicht die Blockchain selbst an. Die Anordnung zielt vielmehr auf die Website, das Frontend und die vom Betreiber kontrollierte Infrastruktur. Genau dort finden Nutzer Märkte, sehen Quoten, geben Orders auf und durchlaufen geografische Prüfungen. Für normale Nutzer ist dieser Zugang entscheidend.

Damit wird ein zentraler Punkt sichtbar: Auch wenn die Abwicklung auf einer Blockchain stattfindet, bleibt die Nutzung solcher Dienste oft von klassischen, zentral kontrollierten Ebenen abhängig. Wenn eine Behörde den Zugang zur Website blockieren lässt, kann sie die praktische Reichweite eines solchen Angebots stark einschränken, selbst wenn die zugrunde liegenden Smart Contracts weiterlaufen.

Die französische Behörde stützt ihr Vorgehen nicht in erster Linie auf die Nutzung von Kryptowährungen, sondern auf das Glücksspielrecht. In einer Grundsatzerklärung vom Februar 2026 stufte die ANJ Prediction Markets als in Frankreich nicht erlaubtes Glücksspiel ein. Sie verweist dabei unter anderem auf Risiken rund um Sucht, Marktintegrität sowie fehlende Alters- und Identitätskontrollen.

Frankreich steht mit dieser Sichtweise nicht allein da. Laut ANJ haben bereits mehrere europäische Länder Maßnahmen gegen Prediction-Market-Plattformen ergriffen oder diese eingeschränkt, darunter Deutschland, Belgien, Italien, Spanien, Portugal und die Niederlande. Auch Spanien ordnete im Mai 2026 als Zwischenmaßnahme die Sperrung der Websites von Polymarket und Kalshi an.

Für Anbieter wie Polymarket entsteht dadurch ein schwieriges Umfeld. Ein einfaches Transaktions-Geoblocking könnte künftig nicht mehr genügen, wenn Behörden schon die bloße Sichtbarkeit von Quoten und Märkten als Teil des unerlaubten Angebots betrachten. Plattformen müssten dann entweder ihre Zugangskontrollen verschärfen, stärkere Identitätsprüfungen einführen oder sich auf nationale Lizenzmodelle einlassen.

Teilen
Auch Interessant
Galaxy Digital verliert 85 Mio und setzt auf KI-Rechenzentren
Kreditgeber zählt AVAX-One-Token nicht mehr als Liquidität
XRP wackelt über 1 Dollar - Hebel-Risiko verlagert sich