Fidelity Digital Assets sieht Bitcoin nach dem jüngsten Rücksetzer in einer Preiszone, die in der Vergangenheit oft mit Akkumulation zusammenfiel. Gleichzeitig bleiben die kurzfristigen Signale jedoch vorsichtig, denn der Momentum Indikator ist weiterhin negativ und die allgemeine Risikobereitschaft im Kryptomarkt gilt als eher eng.
Fidelity sieht Bitcoin im historischen Akkumulationsbereich
Im „Signals Report“ für das zweite Quartal 2026 beschreibt Fidelity den Markt als weiterhin in einer Korrekturphase. Eine breite Aufwärtsbewegung über den gesamten Kryptomarkt hinweg sei noch nicht zu erkennen. Bitcoin bleibt dabei laut dem Research Team der wichtigste Treiber für nicht realisierte Gewinne im gesamten Markt, während viele andere große Coins nach dem starken Reset im ersten Quartal erst langsam zur Ruhe kommen.
Das deutlichste Preissignal liefert Fidelity über den sogenannten „Yardstick“, ein Bewertungsmodell, das die Marktkapitalisierung von Bitcoin ins Verhältnis zur Hashrate setzt. Dieser Indikator steht laut Bericht auf positiv, weil fallende Kurse und eine nachlassende Hashrate den Yardstick in eine „unterbewertete“ Zone gedrückt haben.
Fidelity betont, dass diese Zone historisch häufig mit Akkumulationsphasen und relativen Tiefpunkten zusammenpasste. Konkret lag Bitcoin in 71 der vergangenen 91 Tage, also rund 78 Prozent der Zeit, unter minus einer Standardabweichung vom Mittelwert des Yardstick.
Hashrate Rückgang hat mehrere Ursachen
Der Bericht ordnet den Rückgang der Hashrate nicht nur als mögliches Warnsignal ein. Die Schwäche sei erstmals im Oktober 2025 sichtbar geworden und später verstärkt worden, unter anderem durch zwei Kälteereignisse in den USA. In dieser Zeit drosselten Miner zeitweise ihre Leistung, um lokale Stromnetze zu entlasten.
Ein Teil des Marktes führt die sinkende Hashrate auch auf einen Wechsel von Minern hin zu KI Rechenlasten zurück. Fidelity hält jedoch dagegen, dass ebenso Demand Response Programme eine Rolle spielen könnten. Das sind Modelle, bei denen Miner, besonders in Regionen wie Texas, ihre Anlagen bei hoher Netzlast gezielt herunterfahren.
Momentum bleibt negativ, NUPL signalisiert Vorsicht
Trotz des Bewertungsarguments bleibt das kurzfristige Bild angespannt. Fidelitys Momentum Signal für Bitcoin drehte am 18. Oktober 2025 ins Negative, damals lag BTC bei rund 107.000 US Dollar. Seitdem fiel Bitcoin um etwa 36 Prozent. Der Großteil des ersten Quartals 2026 spielte sich laut Bericht in einer klaren Spanne zwischen 62.500 und 76.022 US Dollar ab. Das spreche eher für Konsolidierung als für einen frischen Trend nach oben.
Fidelity weist zudem darauf hin, dass dieses Signal nicht dafür gedacht ist, exakte Tops oder Bottoms zu treffen. Der aktuelle Zustand deute eher auf Stabilisierung hin, nicht auf neue Aufwärtsdynamik.
Auch der Stimmungsindikator NUPL, also Net Unrealized Profit Loss, wirkt verhalten. Zum Ende von Q1 2026 lag der Wert bei 0,21, was Fidelity der Zone „Hope, Fear“ zuordnet. Das bedeutet, ein Teil der Anleger liegt zwar noch im Plus, aber der Markt zeigt noch keine klare Überzeugung, dass ein belastbarer Boden bereits steht.
Historisch war dieses Niveau dennoch oft ein guter Ausgangspunkt. Fidelity fand, dass Phasen mit einem NUPL um 0,21, plus minus 0,01, in der Vergangenheit mit einer medianen Ein Jahres Rendite von 63 Prozent sowie einer dreijährigen jährlichen Wachstumsrate von 74 Prozent zusammenfielen. Gleichzeitig warnt das Unternehmen, dass solche Zusammenhänge in einem schwierigen Makroumfeld schwächer werden oder ganz ausbleiben können.
Zusätzlich meldete sich Fidelitys Jurrien Timmer mit einer eher taktischen Einschätzung zu Wort. Er sieht Bitcoin aktuell als Test einer möglichen Bear Flag Struktur, also einer bärischen Fortsetzungsformation. Nach dem Rebound vom Februar Tief um 60.033 US Dollar habe sich der Kurs zeitweise bis in den Bereich um 79.486 US Dollar erholt, während Momentum Indikatoren wieder in überkaufte Zonen liefen.
Timmer beschreibt das als Schlüsselmoment: In Bärenmärkten seien überkaufte Rallys oft ein Verkaufssignal, in Bullenmärkten könne überkauftes Momentum hingegen Stärke bedeuten. Sein Punkt ist klar: Wenn Bitcoin trotz überkauftem Momentum und Widerstand nicht deutlich nach unten gezogen wird, könnte das eher für einen beginnenden Bullenmarkt sprechen als für eine reine Erholungsrally.
Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung lag Bitcoin bei rund 76.036 US Dollar.