Ethereum sorgt derzeit nicht nur wegen seiner kräftigen Kursbewegung für Aufmerksamkeit. Besonders auffällig ist, wer hinter einem Teil der jüngsten Käufe steckt. Während kleinere Anleger zuletzt ETH verkauft haben, greifen große Wallets offenbar verstärkt zu. Gleichzeitig fließt wieder mehr institutionelles Kapital über Spot-ETFs in den Markt.
Ganz ohne Risiken ist die aktuelle Entwicklung allerdings nicht. Technische Indikatoren zeigen eine deutliche Überhitzung, und auch am Derivatemarkt ist die Positionierung ungewöhnlich aggressiv.
Große Wallets stocken ihre ETH-Bestände auf
On-Chain-Daten zeigen derzeit eine klare Verschiebung zwischen verschiedenen Anlegergruppen. Wallets mit Beständen zwischen 100 und 1.000 ETH sollen zuletzt rund 207.000 ETH verkauft haben. Ganz anders sieht es bei größeren Adressen aus. Wallets mit 10.000 bis 100.000 ETH kauften im gleichen Zeitraum rund 182.000 ETH hinzu.
Diese Entwicklung ist bemerkenswert, weil die aktuelle Erholung damit nicht ausschließlich von Kleinanlegern oder kurzfristiger Euphorie getragen wird. Stattdessen scheinen vor allem größere Marktteilnehmer die niedrigeren Kursniveaus für Käufe zu nutzen. Ethereum notiert derzeit bei rund 2.447 US-Dollar. Innerhalb von sieben Tagen legte ETH etwa 28 Prozent zu, auf Monatssicht beträgt das Plus rund 25 Prozent. Am aktuellen Handelstag steht jedoch ein leichtes Minus von etwa 1,3 Prozent zu Buche.
Trotz der jüngsten Rally bleibt das größere Bild durchwachsen: Seit Jahresbeginn liegt Ethereum noch rund 18 Prozent im Minus. Gegenüber dem Kursniveau vor zwölf Monaten beträgt der Rückgang sogar etwa 47 Prozent.
Ethereum-ETFs verzeichnen erneut starke Zuflüsse
Zusätzlichen Rückenwind bekommt ETH durch die US-amerikanischen Spot-ETFs. Am Montag flossen netto rund 115,5 Millionen US-Dollar in die Produkte. Damit verzeichneten die Ethereum-ETFs bereits den sechsten Handelstag in Folge positive Nettozuflüsse.
Für den gesamten August sollen sich die Zuflüsse mittlerweile auf mehr als 1,06 Milliarden US-Dollar summieren. Damit wäre es der stärkste Monat seit rund einem Jahr. Auch einzelne Großinvestoren bauen ihre Positionen weiter aus. Bitmine und andere institutionelle Akteure sollen zuletzt zusammen rund 34.000 ETH zusätzlich gekauft haben.
Bitmine hält inzwischen mehr als 5,8 Millionen ETH. Das Unternehmen hat sein Kauftempo zuletzt allerdings verlangsamt und stattdessen eigene Aktien im Wert von etwa 50 bis 58 Millionen US-Dollar zurückgekauft.
Derivatemarkt bleibt angespannt
Die starke Ethereum-Rally hatte auch Folgen für Trader, die auf fallende Kurse gesetzt hatten. Allein am Wochenende wurden Short-Positionen im Umfang von rund 69 Millionen US-Dollar liquidiert. Insgesamt sollen die Liquidationen innerhalb von 24 Stunden mehr als 100 Millionen US-Dollar erreicht haben.
Trotzdem setzen einige große Marktteilnehmer weiterhin auf fallende Kurse. Wintermute erhöhte seine Short-Position auf Hyperliquid demnach auf rund 53 Millionen US-Dollar. Abraxas Capital und Fasanara sollen laut Marktberichten zusammen sogar Short-Positionen von rund 600 Millionen US-Dollar aufgebaut haben.
Das zeigt, wie unterschiedlich die aktuelle Marktlage bewertet wird. Während einige Großinvestoren ETH akkumulieren, rechnen andere offenbar mit einer deutlicheren Korrektur.
Einordnung: Rally trifft auf überkaufte Signale
Technisch betrachtet ist Ethereum inzwischen deutlich heiß gelaufen. Der 14-Tage-RSI liegt bei etwa 75,8 und damit klar im überkauften Bereich. Solche Werte bedeuten nicht automatisch, dass eine Korrektur unmittelbar bevorsteht. Nach starken Kursanstiegen steigt jedoch das Risiko kurzfristiger Gewinnmitnahmen.
Ethereum notiert zudem rund 26 Prozent über seinem 50-Tage-Durchschnitt von etwa 1.948 US-Dollar und rund 22 Prozent über dem 200-Tage-Durchschnitt bei etwa 2.012 US-Dollar. Das sogenannte Golden Cross, bei dem der kurzfristige Durchschnitt den langfristigen von unten nach oben kreuzt, gilt grundsätzlich als positives technisches Signal. Nach einem schnellen Anstieg kann der Markt allerdings trotzdem zunächst eine Konsolidierungsphase einlegen.
Hinzu kommt ein deutliches Ungleichgewicht zwischen Spot- und Derivatehandel. Während das Derivatevolumen bei rund 74 Milliarden US-Dollar liegt, beträgt das Spotvolumen lediglich etwa 5 Milliarden US-Dollar. Eine derart starke Konzentration auf gehebelte Produkte kann Kursbewegungen verstärken und den Markt anfälliger für abrupte Richtungswechsel machen.
Ausblick: Diese Kursmarken werden jetzt wichtig
Auf der Oberseite gelten zunächst rund 2.678 und 2.865 US-Dollar als wichtige Widerstandsbereiche. Ein nachhaltiger Ausbruch darüber könnte die Rally weiter stützen. Auf der Unterseite liegen mögliche Unterstützungen bei rund 2.431, 2.162 und 2.144 US-Dollar. Vor allem ein Rückfall unter den Bereich um 2.400 US-Dollar könnte kurzfristig den Druck erhöhen.
Für Anleger ergibt sich damit ein gemischtes Bild: Die Käufe großer Wallets und die starken ETF-Zuflüsse sprechen für eine weiterhin robuste Nachfrage. Gleichzeitig zeigen RSI, Derivatedaten und die umfangreichen Short-Positionen, dass die Rally zunehmend anfällig für stärkere Schwankungen wird.
Ob Ethereum seinen jüngsten Aufwärtstrend fortsetzen kann, dürfte daher vor allem davon abhängen, ob die institutionelle Nachfrage hoch bleibt und ETH die nächsten Widerstände überwinden kann.