Bitcoin: Warum die Marktstruktur wieder bärisch ist

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Bitcoin: Warum die Marktstruktur wieder bärisch ist (BitcoinBasis.de | Image GPT)

Der Bitcoin-Markt befindet sich nach Einschätzung des On-Chain-Analysten Axel Adler Jr. wieder in einer bärischen Struktur. Seine zentrale Aussage: Die Bullen haben Anfang Mai zwar kurzzeitig versucht, die Marktstruktur zurück in den positiven Bereich zu drehen, konnten diesen Zustand aber nicht halten. Der Ausbruch über die neutrale Zone war zu schwach, zu kurz und wurde anschließend vollständig von Verkäufern absorbiert.

Diese Einschätzung passt auch zum aktuellen Marktbild. Bitcoin fiel am 18. Mai 2026 laut Coinmarketcap auf rund 76.880 US-Dollar. Parallel berichtete Economic Times von einem Rückgang auf ein Zwei-Wochen-Tief bei etwa 76.700 US-Dollar und von rund 661 Millionen US-Dollar an Liquidationen innerhalb von 24 Stunden. Damit bestätigt der Spotmarkt das, was Adlers Strukturindikatoren bereits anzeigen: Käufer schaffen es derzeit nicht, den Markt oberhalb wichtiger kurzfristiger Niveaus zu stabilisieren. 

Im Kern geht es bei Adler nicht nur um den Bitcoin-Kurs selbst, sondern um die Frage, wer aktuell die Kontrolle über die Marktstruktur hat. Steigen die Käufer aggressiv ein? Unterstützen ETF-Zuflüsse die Nachfrage? Stabilisiert sich der Preis oberhalb wichtiger Durchschnittslinien? Oder dominieren Verkäufer, schwache Nachfrage und negative Derivatesignale?

Die Antwort seiner Analyse ist klar: Der Markt ist wieder risk-off.

Was Axel Adlers Bull-Bear Structure Index zeigt

Adler verweist zunächst auf seinen Bitcoin Bull-Bear Structure Index. Dieser Index soll nicht nur den Preis betrachten, sondern mehrere Marktkomponenten zusammenführen. Dazu gehören laut Adler:

  • Taker-Imbalance
  • Open-Interest-Druck in Verbindung mit der Preisrichtung
  • Funding Rates
  • ETF-Flows
  • Nettoabflüsse von Börsen
  • Position des Bitcoin-Kurses relativ zum 20-Tage-Durchschnitt

Positive Werte deuten auf eine bullishe Struktur hin, negative Werte auf eine bearishe Struktur. Entscheidend ist dabei nicht allein, ob der Index kurz über oder unter null steht. Wichtig ist, ob ein Signal über mehrere Tage bestätigt wird.

Genau hier liegt laut Adler das Problem. Anfang Mai gelang es der langsameren Version des Index zwar, kurz über null zu steigen. Am 6. Mai erreichte die Slow-Linie einen Wert von +2,16, während die Fast-Linie bis auf +14 stieg. Formal sah das zunächst nach einem Wechsel in ein bullishes Regime aus.

Doch dieser Wechsel hielt kaum an. Bereits am 9. Mai fiel die Slow-Linie wieder unter null auf -0,82. Bis zum 17. Mai rutschte sie laut Adler auf -23,49 ab. Auch die Fast-Linie fiel auf -23,24. Damit wurde der kurze bullishe Impuls innerhalb weniger Tage neutralisiert.

Das ist der entscheidende Punkt: Der Markt konnte die bullishe Struktur nicht bestätigen. Ein echter Regimewechsel braucht Dauer, Anschlusskäufe und eine Verbesserung mehrerer Marktkomponenten gleichzeitig. Genau das blieb aus.

Der gescheiterte Ausbruch über null ist ein Warnsignal

Die Null-Linie hat in Adlers Modell eine besondere Bedeutung. Sie trennt bullishe und bearishe Marktphasen. Wenn der Index oberhalb von null liegt und sich dort stabilisiert, bedeutet das: Mehrere Komponenten sprechen für Käuferkontrolle.

Wenn der Index aber nur kurz über null steigt und anschließend schnell wieder darunter fällt, ist das ein anderes Signal. Dann handelt es sich häufig nicht um den Beginn eines neuen Aufwärtstrends, sondern um eine Erholungsbewegung innerhalb einer weiterhin fragilen Struktur.

Genau das beschreibt Adler für die aktuelle Bitcoin-Lage. Die Bullen konnten den Markt Anfang Mai kurzfristig nach oben drücken, aber sie konnten die neue Struktur nicht verteidigen. Der Versuch dauerte weniger als drei Handelstage. Danach übernahmen Verkäufer wieder die Kontrolle.

Für Trader und Investoren ist das wichtig, weil sich solche Phasen oft trügerisch anfühlen. Der Markt steigt kurz, Sentiment dreht, viele Marktteilnehmer erwarten eine Fortsetzung nach oben. Doch wenn die zugrunde liegende Struktur nicht mitzieht, bleibt der Anstieg anfällig für schnelle Abverkäufe.

Die Preisstruktur bestätigt das bärische Bild

Der zweite zentrale Indikator in Adlers Analyse ist das Bitcoin Price Structure Composite Signal. Dieser Wert bewegt sich zwischen -1 und +1. Werte nahe +1 zeigen starke Käuferkontrolle, Werte nahe -1 zeigen starken Verkäuferdruck.

Am 6. Mai erreichte dieses Signal laut Adler noch +0,75. Bitcoin lief damals in den Bereich von 81.500 bis 82.500 US-Dollar. Die Position im Donchian Channel lag nahe 1,0, während die EMA-Trendkomponente fast bei +0,999 stand.

Das klingt zunächst stark, war laut Adler aber eher ein Zeichen einer überhitzten kurzfristigen Struktur. Bitcoin stand nahe der oberen Begrenzung seiner Handelsspanne, und der Trendanteil des Modells war fast maximal positiv. Solche Zustände sind nicht automatisch bearish, aber sie verlangen Anschlusskäufe. Bleiben diese aus, kann der Markt schnell drehen.

Nach dem 11. Mai verschlechterte sich die Struktur deutlich. Das Composite Signal fiel unter null. Bis zum 18. Mai lag es laut Adler bei rund -0,55. Der Momentum-Anteil fiel auf -0,78, während die Position im Donchian Channel auf 0,20 zurückging. Das bedeutet: Bitcoin befindet sich wieder im unteren Drittel der kurzfristigen Handelsspanne.

Damit bestätigt die Preisstruktur den Bull-Bear Index. Nicht nur die aggregierten On-Chain-, ETF- und Derivatesignale kippen negativ. Auch der Kurs selbst zeigt Schwäche.

Warum die Synchronität der Signale wichtig ist

Ein einzelner Indikator ist selten ausreichend, um eine Marktphase sauber zu bewerten. Märkte sind komplex. Ein negativer Funding-Wert allein kann auch konstruktiv sein. Schwache ETF-Flows an einem Tag müssen nicht zwingend einen Trendwechsel bedeuten. Ein Rückgang in den unteren Teil einer kurzfristigen Handelsspanne kann auch nur eine normale Korrektur sein.

Problematisch wird es, wenn mehrere Signale gleichzeitig kippen.

Genau das ist laut Adler derzeit der Fall. Der Bull-Bear Structure Index zeigt eine Rückkehr in den bearishen Bereich. Die Price Structure bestätigt, dass Bitcoin wieder näher an der unteren Range-Begrenzung handelt. Der Momentum-Anteil ist negativ. Gleichzeitig fehlt die sichtbare Nachfrage, die einen schnellen Reversal rechtfertigen würde.

Das macht die aktuelle Struktur gefährlicher als einen normalen Pullback in einem klaren Aufwärtstrend. Es geht nicht nur darum, dass Bitcoin gefallen ist. Es geht darum, dass mehrere Ebenen des Marktes gleichzeitig Schwäche zeigen.

ETF-Flows bleiben einer der wichtigsten Trigger

Ein besonders wichtiger Punkt in Adlers Analyse sind die ETF-Flows. Seit der Einführung der Spot-Bitcoin-ETFs in den USA haben institutionelle Kapitalflüsse eine zentrale Rolle für die Marktstruktur gespielt. Starke Zuflüsse können Angebot absorbieren und Kursrückgänge abfedern. Schwache oder negative Flows entziehen dem Markt dagegen eine wichtige Nachfragequelle.

Adler nennt ETF-Flows deshalb als eine der entscheidenden Komponenten für einen möglichen Regimewechsel. Damit der Bull-Bear Index wieder Richtung null steigen kann, müssten sich mindestens zwei oder drei Komponenten synchron verbessern. Besonders wichtig wären laut seiner Analyse eine positive Taker-Imbalance und eine Erholung der ETF-Flows.

Auch externe Marktdaten stützen diese Relevanz. CoinGlass führt Bitcoin-ETF-Flows als eigenen Marktindikator und zeigt, wie stark ETF-Zuflüsse und -Abflüsse inzwischen als Beobachtungsgröße für den Bitcoin-Markt genutzt werden. Berichte über hohe ETF-Abflüsse Mitte Mai passen zudem zu Adlers These, dass die Nachfrage aktuell nicht stark genug ist, um die Struktur nachhaltig zu drehen. 

Entscheidend ist: Ohne ETF-Rückenwind fehlt Bitcoin in solchen Phasen oft ein institutioneller Stabilisator. Der Markt wird dann stärker von kurzfristigem Derivatehandel, Liquidationen und Momentum-Verkäufen geprägt.

Die Rolle der Derivatemärkte

Adler verweist auch auf Verkäuferdruck auf Derivateebene. Dazu gehören Funding Rates und Open Interest in Verbindung mit der Preisrichtung.

Das ist wichtig, weil Bitcoin in stark gehebelten Marktphasen häufig nicht nur durch Spotkäufe und Spotverkäufe bewegt wird. Wenn viele Marktteilnehmer mit Hebel long positioniert sind und der Preis fällt, können Liquidationen zusätzlichen Verkaufsdruck erzeugen. Dadurch entstehen schnelle Abwärtsbewegungen, die technisch stärker aussehen, als es eine reine Spotbewegung vermuten ließe.

Der aktuelle Bericht über hohe Liquidationen innerhalb von 24 Stunden zeigt, dass dieser Mechanismus weiterhin relevant ist. Wenn Bitcoin bei fallendem Preis hohe Liquidationen auslöst, kann dies den Druck kurzfristig verstärken und Erholungen erschweren. 

Das bedeutet nicht automatisch, dass der Markt weiter stark fallen muss. Aber es bedeutet, dass die Struktur empfindlich bleibt. Solange gehebelte Positionen bereinigt werden und Käufer nicht aggressiv genug auftreten, bleibt jede Erholung anfällig.

Warum der 7-Tage-EMA jetzt besonders wichtig ist

Ein konkretes Level nennt Adler ebenfalls: der 7-Tage-EMA, der in seiner Analyse bei rund 79.200 US-Dollar liegt. Bitcoin müsse sich oberhalb dieses kurzfristigen gleitenden Durchschnitts stabilisieren, damit ein möglicher Strukturwechsel glaubwürdiger wird.

Die 7-Tage-EMA ist kein langfristiger Makro-Indikator. Sie ist eher ein kurzfristiges Strukturlevel. Aber gerade in einer angespannten Marktphase kann sie zeigen, ob Käufer wieder Kontrolle über die kurzfristige Trendrichtung gewinnen.

Solange Bitcoin darunter handelt, bleibt der Markt anfällig. Eine einzelne grüne Tageskerze reicht nicht aus. Wichtiger wäre eine Rückeroberung mit Bestätigung: Bitcoin müsste oberhalb dieser Zone schließen, Käufer müssten Anschluss zeigen, und gleichzeitig müssten ETF-Flows sowie Taker-Imbalance wieder positiver werden.

Ohne diese Kombination bleibt ein Anstieg über die EMA nur ein technischer Rebound, nicht zwingend ein Regimewechsel.

Warum der Markt aktuell risk-off bleibt

Der Begriff risk-off bedeutet in diesem Zusammenhang: Das Chancen-Risiko-Verhältnis für aggressive Long-Positionen ist verschlechtert. Anleger und Trader agieren vorsichtiger, weil die Struktur nicht mehr von Käufern dominiert wird.

Nach Adlers Analyse sprechen mehrere Punkte für dieses risk-off Bild:

  • Der Bull-Bear Structure Index liegt klar im negativen Bereich.
  • Das Price Structure Composite Signal ist ebenfalls negativ.
  • Bitcoin handelt im unteren Drittel der kurzfristigen Range.
  • Der Momentum-Anteil ist schwach.
  • ETF-Flows liefern offenbar keine ausreichende Unterstützung.
  • Die Derivatemärkte zeigen weiterhin Stress und Verkäuferdruck.

Damit ist die aktuelle Lage nicht einfach eine harmlose Konsolidierung nach einem Anstieg. Es handelt sich um eine strukturelle Verschlechterung, zumindest im kurzfristigen bis mittelfristigen Zeitfenster.

Was sich ändern müsste, damit Bitcoin wieder bullisch wird

Adler formuliert relativ klar, welche Bedingungen für einen bullishen Regimewechsel erfüllt sein müssten.

  • Erstens müsste die Taker-Imbalance wieder positiv werden. Das würde zeigen, dass Käufer aggressiver am Markt auftreten und bereit sind, Angebot aktiv aufzunehmen.
  • Zweitens müssten sich die ETF-Flows verbessern. Stabile Zuflüsse würden signalisieren, dass institutionelle Nachfrage wieder als Stütze wirkt.
  • Drittens müsste Bitcoin oberhalb der 7-Tage-EMA stabilisieren. In Adlers Analyse liegt diese bei rund 79.200 US-Dollar.

Diese drei Punkte sind wichtig, weil sie unterschiedliche Ebenen des Marktes abdecken. Die Taker-Imbalance zeigt kurzfristiges Kaufverhalten. Die ETF-Flows zeigen institutionelle Nachfrage. Die EMA zeigt, ob der Preis selbst wieder eine konstruktive Struktur aufbaut.

Axel Adlers Analyse zeichnet ein klares Bild: Bitcoin hat Anfang Mai versucht, die Marktstruktur zurück in den bullischen Bereich zu drehen. Dieser Versuch ist gescheitert. Der Bull-Bear Structure Index fiel auf rund -23,5, das Price Structure Composite Signal auf etwa -0,56. Gleichzeitig handelt Bitcoin wieder im unteren Drittel seiner kurzfristigen Struktur.

Das ist keine Panikthese, sondern eine nüchterne Marktstrukturanalyse. Die Bullen hatten eine Chance, konnten sie aber nicht verteidigen. Verkäufer haben den Impuls absorbiert, ETF-Nachfrage wirkt offenbar nicht stark genug, und der Preis bleibt unter wichtigen kurzfristigen Niveaus.

Der wichtigste Punkt lautet deshalb: Bitcoin braucht Bestätigung. Eine einzelne Erholung reicht nicht. Erst wenn Taker-Imbalance, ETF-Flows und Preisstruktur gemeinsam drehen, wäre ein echter Regimewechsel zurück in ein bullisches Umfeld plausibel.

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