Ein prominenter Bitcoin-Wal auf der Derivate-Plattform Hyperliquid hat eine hochriskante 40-fach gehebelte Long-Position im Wert von rund 122 Millionen US-Dollar geschlossen – und das nur kurz, bevor eine Liquidation hätte ausgelöst werden können. Damit verschwand eines der meistbeobachteten Hebel-Setups im Markt, ohne dass der kritische Preisbereich tatsächlich getestet wurde.
Wal steigt rechtzeitig aus 40x-Long aus
Die öffentlich einsehbare Wallet war am 19. Juli noch rund 107 Millionen US-Dollar wert. Zunächst wurde eine Long-Position von 1.660 BTC bekannt, deren Liquidationspreis bei etwa 63.123 US-Dollar lag.
Am frühen 20. Juli baute der Trader die Wette sogar noch weiter aus und erhöhte die Position laut Hyperliquid-Daten auf insgesamt 1.897 BTC. Kurz darauf begann jedoch der Ausstieg in zwei Schritten.
Zuerst verkaufte die Wallet 903,48 BTC zu einem Durchschnittspreis von rund 64.666 US-Dollar. Danach verblieben noch 994 BTC. Diese Restposition wurde um 06:33 Uhr UTC zu einem durchschnittlichen Kurs von etwa 63.931 US-Dollar vollständig geschlossen.
Insgesamt wurden damit Bitcoin im Wert von ungefähr 122 Millionen US-Dollar verkauft, zu einem gemittelten Preis von rund 64.281 US-Dollar. Entscheidend ist: Die Position wurde beendet, bevor der Markt den relevanten Liquidationsbereich erreichte.
Liquidationsmarke verschwindet mit dem Ausstieg
Noch neun Minuten vor dem letzten Verkauf lag der angezeigte Liquidationspreis der Position bei etwa 61.605 US-Dollar, während Bitcoin auf Hyperliquid bei rund 64.149 US-Dollar gehandelt wurde. Die letzten Verkäufe wurden nicht unter 63.876 US-Dollar ausgeführt.
Nach Abschluss der Transaktionen war die Wallet leer. Damit war auch die zuvor viel beachtete Liquidationsmarke bei 61.605 US-Dollar hinfällig. Der Markt erreichte dieses Niveau also gar nicht mehr, weil der Trader vorher komplett ausgestiegen war.
Das ist wichtig, weil öffentlich sichtbare Liquidationslevel auf Hyperliquid von vielen Marktteilnehmern als Orientierung genutzt werden. Solche Marken können kurzfristig Aufmerksamkeit erzeugen, sind aber keine festen Unterstützungen und auch keine verlässlichen Kursziele. Sobald eine Position geschlossen wird, verliert auch das zugehörige Liquidationsniveau seine Bedeutung.
Kein neuer Hebelaufbau im Gesamtmarkt
Der Fall deutet eher auf ein gezieltes Risikoreduzieren eines einzelnen großen Traders hin als auf einen breiten Aufbau neuer Long-Wetten im Markt. Zwar blieb das Open Interest bei Bitcoin-Derivaten insgesamt hoch, doch auf vergleichbaren Handelsplätzen zeigte sich zuletzt eher ein Rückgang.
Hyperliquid verzeichnete zu Wochenbeginn ein Bitcoin-Open-Interest von etwa 38.750 BTC. Gleichzeitig meldete CoinGlass ein aggregiertes Bitcoin-Open-Interest von rund 47,46 Milliarden US-Dollar. Im betrachteten Zeitraum sank das BTCUSDT-Open-Interest auf Binance um 0,67 Prozent, bei Bybit sogar um 4,64 Prozent.
Bitcoin selbst notierte zuletzt bei etwa 64.200 US-Dollar und damit leicht im Minus auf 24-Stunden-Sicht. Der Wal-Ausstieg liefert daher kein Signal für neue Marktstärke, sondern zeigt vor allem, dass große Akteure in einem unsicheren Umfeld Gewinne sichern oder Risiko abbauen.
Fazit: Der spektakuläre 40x-Long eines Bitcoin-Wals wurde rechtzeitig geschlossen, bevor eine mögliche Zwangsliquidation eintreten konnte. Für den Markt bedeutet das vor allem eines: Ein viel beachteter Liquidationspunkt ist verschwunden, und möglicher neuer Verkaufsdruck müsste nun von anderen noch offenen Positionen kommen.