Strategy, das frühere MicroStrategy, legt beim Bitcoin-Kauf eine ungewöhnlich lange Pause ein und nutzt stattdessen Kapital, um eigene Vorzugsaktien zurückzukaufen. Das Unternehmen investierte zuletzt 25 Millionen US-Dollar in den Erwerb von STRC-Aktien, die aktuell deutlich unter ihrem Nennwert handeln. Damit stützt die Firma gezielt ihre Finanzierungsstruktur, während sie zugleich ihre Liquiditätsreserve weiter ausbaut.
Fünf Wochen ohne Bitcoin-Kauf
Wie aus einer aktuellen Mitteilung an die US-Börsenaufsicht SEC hervorgeht, kaufte Strategy zwischen dem 20. und 26. Juli insgesamt 288.930 STRC-Aktien zurück. Der durchschnittliche Kaufpreis lag bei 86,52 US-Dollar je Aktie und damit klar unter dem festgelegten Wert von 100 US-Dollar.
Bemerkenswert ist der Zeitpunkt: Strategy hat seit inzwischen fünf Wochen keinen einzigen Bitcoin mehr gekauft. Das ist die längste Unterbrechung der sonst regelmäßigen BTC-Käufe seit 2024. Trotz dieser Pause bleibt das von Michael Saylor geprägte Unternehmen der größte börsennotierte Bitcoin-Halter weltweit. Insgesamt besitzt Strategy 843.775 BTC, die zu einem durchschnittlichen Preis von 75.476 US-Dollar pro Bitcoin erworben wurden.
Warum Strategy die eigene Vorzugsaktie zurückkauft
Im Mittelpunkt steht die Vorzugsaktie STRC, die in den vergangenen Wochen stark unter Druck geraten war. Zeitweise fiel der Kurs auf unter 77 US-Dollar, zuletzt lag er wieder bei rund 88 US-Dollar. Dennoch notiert das Papier weiter deutlich unter dem Zielwert von 100 US-Dollar.
Das ist für Strategy problematisch, weil das Unternehmen nach eigener Aussage keine neuen STRC-Aktien unterhalb von 100 US-Dollar ausgeben will. Sinkt der Kurs zu weit, wird das Papier als Finanzierungsinstrument weniger attraktiv. Der Rückkauf ist deshalb auch ein Signal an den Markt: Strategy will den Preis aktiv stützen.
Für das Unternehmen hat das auch einen finanziellen Vorteil. Wer eine Aktie mit einem Nennwert von 100 US-Dollar für nur 86,52 US-Dollar zurückkauft, kann Verbindlichkeiten günstiger aus der Kapitalstruktur nehmen. Gleichzeitig sinken dadurch künftige Dividendenausgaben auf diese Papiere. Je stärker STRC unter 100 US-Dollar fällt, desto interessanter werden solche Rückkäufe wirtschaftlich.
Strategy hatte bereits im Vormonat ein Rückkaufprogramm über bis zu 1 Milliarde US-Dollar genehmigt. Nach dem ersten Einsatz von 25 Millionen US-Dollar stehen noch 975 Millionen US-Dollar zur Verfügung. Allerdings ist das keine Pflicht zum vollständigen Rückkauf: Umfang und Tempo hängen von Kurs, Liquidität, verfügbarem Kapital und der allgemeinen Marktlage ab.
3,75 Milliarden Dollar Reserve als Sicherheitspuffer
Parallel zu den Rückkäufen stärkt Strategy seine Barreserve. Das Unternehmen erhöhte die sogenannte USD Reserve zuletzt um 525 Millionen US-Dollar auf nun 3,75 Milliarden US-Dollar. Nach Angaben der Firma reicht dieser Betrag aus, um die erwarteten Dividendenzahlungen auf die Vorzugsaktien für etwa 25 Monate zu decken.
Finanziert wurde der Aufbau dieser Reserve durch den Verkauf von 5.429.160 MSTR-Aktien. Daraus erzielte Strategy einen Nettoerlös von rund 544,5 Millionen US-Dollar, von denen der Großteil direkt in die Reserve floss.
Der Hintergrund: Anders als Bitcoin verursachen Vorzugsaktien und Schulden laufende Zahlungsverpflichtungen. Strategy muss also genügend liquide Mittel bereithalten, um Dividenden und Zinsen auch dann bedienen zu können, wenn die Kapitalmärkte schwieriger werden oder der Bitcoin-Kurs schwächelt.
Damit verfolgt das Unternehmen aktuell eine Doppelstrategie: Einerseits werden unterbewertete STRC-Aktien zurückgekauft, um die Kapitalstruktur zu entlasten. Andererseits wächst die Cash-Reserve, damit laufende Verpflichtungen zuverlässig erfüllt werden können. Die derzeitige Bitcoin-Pause wirkt deshalb weniger wie ein Strategiewechsel gegen BTC, sondern eher wie eine Phase, in der Strategy seine Finanzierungsbasis absichert.