Bitcoin findet nach den neuen US-Inflationsdaten weiter keine klare Richtung. Nach einem Rücksetzer bis in den Bereich von rund 76.700 Dollar sprang BTC zeitweise knapp an 80.000 Dollar heran, konnte die Erholung aber nicht halten und notierte am frühen Samstag wieder bei rund 77.200 Dollar. Damit rückt die Unterstützungszone um 76.500 Dollar erneut gefährlich nahe.
Auslöser der neuen Unsicherheit sind vor allem die US-Verbraucherpreise für August. Die Gesamtinflation stieg gegenüber dem Vormonat um 0,4 Prozent und lag mit 3,4 Prozent im Jahresvergleich im Rahmen der Erwartungen.
Problematischer für Risikoanlagen: Die Kerninflation legte monatlich um 0,3 Prozent zu und damit stärker als die erwarteten 0,2 Prozent. Das verstärkte am Markt die Erwartungen, dass die US-Notenbank bereits bei ihrer nächsten Sitzung wieder an der Zinsschraube drehen könnte.
Warum die CPI-Erholung sofort wieder verkauft wurde
Die erste Reaktion von Bitcoin zeigt, wie gespalten der Markt derzeit ist. Käufer waren unterhalb von 77.000 Dollar sofort zur Stelle und schoben BTC zeitweise bis knapp 79.900 Dollar. Doch oberhalb dieser Zone fehlte erneut die Anschlussnachfrage. Der Angriff auf 80.000 Dollar wurde abverkauft.
Genau darin liegt das kurzfristige Problem: Bitcoin beweist zwar weiterhin, dass im Bereich um 76.000 bis 77.000 Dollar Nachfrage vorhanden ist. Gleichzeitig gelingt es den Bullen nicht, aus dieser Nachfrage einen nachhaltigen Ausbruch zu machen.
Der makroökonomische Gegenwind bleibt erheblich. Die Ölpreise liegen infolge der geopolitischen Spannungen wieder über 100 Dollar je Barrel, während die hartnäckige Inflation die Aussicht auf länger hohe oder sogar erneut steigende US-Zinsen verstärkt. Für Bitcoin wäre das problematisch, weil höhere Renditen sichere Anlagen attraktiver machen und die verfügbare Liquidität für risikoreichere Assets begrenzen können.
Entscheidend ist deshalb nicht, dass Bitcoin nach den CPI-Daten kurz gestiegen ist. Entscheidend ist, dass der Markt diesen Anstieg oberhalb von 80.000 Dollar bislang nicht akzeptiert hat.
ETF-Rückenwind bekommt Risse – während Binance-Bestände hoch bleiben
Auch bei den institutionellen Kapitalströmen hat sich das Bild kurzfristig eingetrübt.
Noch zuvor hatten die US-Spot-Bitcoin-ETFs laut einer CryptoQuant-Auswertung drei Wochen in Folge Nettozuflüsse verzeichnet. In der laufenden Woche drehte die Entwicklung jedoch: Am 8., 9. und 10. September flossen laut Farside Investors insgesamt rund 450 Millionen Dollar netto aus den US-Bitcoin-ETFs ab. Allein am Donnerstag lagen die Abflüsse bei rund 283 Millionen Dollar.Damit fehlt Bitcoin ausgerechnet nahe der kritischen Widerstandszone ein wichtiger Käufer.
Gleichzeitig bleiben die Bitcoin-Bestände auf Binance auffällig hoch. CryptoQuant-Daten zufolge lagen die Reserven zuletzt bei etwa 685.000 bis 687.000 BTC und damit auf einem der höchsten Niveaus des Jahres. Steigende Börsenbestände können auf zusätzliche verkaufsbereite Coins hindeuten, müssen aber nicht zwangsläufig bedeuten, dass diese Bitcoin tatsächlich verkauft werden. Auch interne Wallet-Bewegungen, Market-Making oder die Nutzung als Sicherheiten können die Kennzahl beeinflussen.
Positiv bleibt dagegen, dass gleichzeitig mehr Stablecoin-Liquidität zu Binance fließt. Damit wächst nicht nur das potenzielle Angebot an Bitcoin, sondern auch die Kaufkraft, die dieses Angebot theoretisch aufnehmen könnte. Der Markt besitzt also weiterhin Munition auf beiden Seiten.
Auch bei den Derivaten ist das Bild inzwischen differenzierter. Vor den CPI-Daten war der aggressive Verkaufsdruck deutlich gestiegen, während das Open Interest zunächst nur wenig zurückging.
Am 11. September zeigte eine weitere CryptoQuant-Auswertung dann allerdings einen Rückgang des siebentägigen Open Interest über fünf große Börsen um rund 842 Millionen Dollar. Ein Teil des überhöhten Hebels wird damit offenbar bereits aus dem Markt genommen.
Diese Marke entscheidet jetzt über Erholung oder neuen Abverkauf
Für Bitcoin kristallisiert sich damit eine klare Entscheidungszone heraus.Die Region zwischen etwa 76.000 und 76.700 Dollar wurde in den vergangenen Wochen mehrfach von Käufern verteidigt. Solange BTC darüber bleibt, lebt die Chance auf einen weiteren Angriff auf 80.000 Dollar.
Oberhalb davon warten mit rund 82.000 bis 83.000 Dollar allerdings bereits die nächsten stärkeren Widerstände. Erst ein überzeugender Ausbruch und anschließend stabile Kurse über dieser Zone würden das kurzfristige Bild deutlich verbessern.
Fällt Bitcoin dagegen nachhaltig unter 76.000 bis 76.500 Dollar, würde sich die Lage verschärfen. Technische Analysen sehen dann den Bereich zwischen rund 72.000 und 74.500 Dollar als nächste größere Auffangzone. Ein solcher Rückgang wäre kein garantiertes Szenario, würde aber zeigen, dass die Käufer den aktuellen Angebotsdruck nicht mehr ausreichend absorbieren können.
Bitcoin ist deshalb derzeit weder eindeutig bullisch noch eindeutig bärisch. Die Nachfrage unterhalb von 77.000 Dollar verhindert bislang einen stärkeren Abverkauf, doch heißere Kerninflation, kurzfristige ETF-Abflüsse und hohe Börsenreserven begrenzen gleichzeitig die Erholung.
Für Anleger zählt jetzt vor allem die Reaktion an 76.500 Dollar. Hält die Zone und kehren ETF- und Spot-Käufe zurück, bleibt ein erneuter Angriff auf 80.000 bis 83.000 Dollar möglich. Bricht sie unter anhaltendem Makrodruck, könnte sich die Korrektur schnell in Richtung 74.000 Dollar ausweiten.