Bitcoin zeigt zum Wochenstart Widerstandskraft: Der Kurs hält sich bei rund 77.500 Dollar, obwohl sich der Verkaufsdruck am Derivatemarkt deutlich verschärft hat. Gleichzeitig bleibt Bitcoin auf Coinbase gegenüber Binance mit einem Abschlag gehandelt. Damit steigt der Kurs zwar leicht, doch zwei wichtige Marktindikatoren bestätigen die Erholung bislang nicht.
Genau darin liegt der aktuelle Konflikt: Die Verkäufer dominieren kurzfristig mehrere interne Marktdaten, schaffen es bislang aber nicht, Bitcoin entscheidend nach unten zu drücken. Für die Käufer ist das ein Zeichen von Stabilität, aber noch kein Befreiungsschlag.
Warum der stabile Bitcoin-Kurs trügerisch sein könnte
Der von Analyst Axel Adler Jr. beobachtete Bitcoin „Derivatives Pressure Score“ hat sich innerhalb von 24 Stunden deutlich verschlechtert. Der Wert fiel von -25,36 auf -60,80 und bleibt damit klar im negativen Bereich.
Der Indikator kombiniert unter anderem den Kauf- und Verkaufsdruck aggressiver Marktorders, Veränderungen beim in BTC gemessenen Open Interest sowie Funding Rates. Ein deutlich negativer Wert spricht damit für eine stärkere Dominanz der Verkäufer am Derivatemarkt.
Wichtig ist allerdings die Einordnung: Aus dem Indikator lässt sich nicht eindeutig ableiten, ob Trader verstärkt neue Short-Positionen eröffnen oder bestehende Long-Positionen schließen. Er zeigt den Druck innerhalb des Derivatemarktes, aber nicht die genaue Ursache jeder Positionsveränderung.
Interessant ist deshalb vor allem die Reaktion des Bitcoin-Kurses. Obwohl sich der Derivate-Indikator von -25,36 auf -60,80 verschlechtert hat, ist BTC nicht entsprechend eingebrochen. Das spricht dafür, dass der aktuelle Verkaufsdruck bislang auf genügend Nachfrage trifft.
Für ein überzeugendes bullisches Signal reicht das jedoch noch nicht. Erst eine nachhaltige Rückkehr des Derivatives Pressure Score über die Nulllinie würde zeigen, dass sich das kurzfristige Kräfteverhältnis wieder zugunsten der Käufer verschiebt.
Coinbase liefert den Bullen noch keine Rückendeckung
Auch am Spotmarkt fehlt weiterhin eine entscheidende Bestätigung.
Bitcoin wird auf Coinbase bereits seit dem Abend des 6. September kontinuierlich mit einem Abschlag gegenüber Binance gehandelt. Der aktuelle Coinbase Premium Index liegt laut den Daten von Adler bei -0,0455 Prozent, während der Durchschnitt der vergangenen 48 Stunden bei -0,0323 Prozent liegt.
Besonders relevant: Dieser 48-Stunden-Durchschnitt ist innerhalb des vergangenen Tages noch negativer geworden. Es handelt sich damit nicht lediglich um eine kurzfristige Abweichung während einzelner Handelsstunden.
Ein negatives Coinbase-Premium bedeutet allerdings nicht automatisch, dass US-Institutionen Bitcoin verkaufen. Der Indikator zeigt lediglich, dass BTC auf Coinbase relativ günstiger gehandelt wird als auf Binance. Welche Marktteilnehmer dafür verantwortlich sind oder ob tatsächlich Kapital aus dem US-Markt abfließt, lässt sich daraus allein nicht bestimmen.
Trotzdem fehlt Bitcoin damit genau jene relative Stärke auf Coinbase, die einen nachhaltigen Ausbruchsversuch zusätzlich stützen könnte.
Das ergibt derzeit ein ungewöhnliches Bild: Derivate zeigen stärkeren Verkaufsdruck, Coinbase zeigt relative Schwäche, aber der Bitcoin-Kurs hält sich trotzdem um 77.000 Dollar.
Die Widerstandskraft ist positiv. Eine echte Rückkehr der Käuferdominanz ist sie noch nicht.
78.500 Dollar zuerst – danach entscheidet die Zone um 83.000 Dollar
Damit knüpft die aktuelle Entwicklung unmittelbar an unsere Bitcoin-Analyse vom Sonntag an.
Bereits gestern hatten wir darauf hingewiesen, dass Bitcoin zunächst die Region um 78.500 Dollar zurückerobern muss, bevor die deutlich wichtigere Widerstandszone zwischen 82.500 und 83.000 Dollar wieder realistisch in den Fokus rückt. Bitcoin vor entscheidender Woche: 83.000 Dollar werden zur Schlüsselmarke
Seitdem hat sich am entscheidenden technischen Bild kaum etwas verändert. Bitcoin notierte in der gestrigen Analyse bei rund 77.200 Dollar und bewegt sich auch zum Wochenstart nur wenig darüber. Die Käufer haben also Stand jetzt weder 78.500 Dollar überzeugend zurückerobert noch den Weg zur 83.000-Dollar-Zone freigemacht.
Kurzfristig erhält dadurch auch die Unterseite mehr Bedeutung. Der Bereich zwischen ungefähr 76.000 und 76.500 Dollar hat sich zuletzt mehrfach als Unterstützung gezeigt. Fällt Bitcoin nachhaltig darunter, könnte sich der Druck zunächst in Richtung 74.000 bis 75.200 Dollar ausweiten.
Hält die Region dagegen und verbessert sich gleichzeitig die Lage am Derivatemarkt, wäre die Rückeroberung von 78.500 Dollar der erste wichtige Fortschritt. Erst danach würde die bereits gestern hervorgehobene Zone zwischen 82.500 und 83.000 Dollar wieder zum entscheidenden Test.
Ein nachhaltiger Ausbruch über diesen Bereich könnte das technische Szenario in Richtung 88.000 Dollar wieder deutlich stärken. Solange Bitcoin jedoch unter 78.500 Dollar bleibt und gleichzeitig sowohl Derivate-Druck als auch Coinbase-Premium negativ sind, fehlt dafür die entscheidende Bestätigung.
Das wird in dieser Woche besonders wichtig, weil mit den politischen Entwicklungen rund um den CLARITY Act und der anstehenden US-Zinsentscheidung zusätzliche Volatilität droht.
Bitcoin beweist derzeit Stärke, indem der Kurs den zunehmenden Verkaufsdruck absorbiert. Entscheidend ist jetzt aber, ob daraus tatsächlich neue Nachfrage entsteht.