Viele Trader vergleichen die aktuelle Bitcoin Bewegung nach den jüngsten Angriffen rund um Iran mit dem Schock von 2022, als Russland in die Ukraine einmarschierte. Der Makro Analyst Alex Krüger warnt jedoch davor, diese Parallele zu ernst zu nehmen. Die Charts mögen sich ähneln, aber laut Krüger sind die entscheidenden Treiber heute andere.
Warum es diesmal nicht wie 2022 laufen muss
Krüger erinnert daran, dass Kriege an den Märkten oft zunächst für Panik sorgen, später aber nicht selten auch Kaufgelegenheiten entstehen. Entscheidend sei, was nach dem ersten Schock passiert. 2022 war nicht nur der Krieg der Auslöser, sondern vor allem das Umfeld, das danach voll durchschlug, nämlich eine hart reagierende US Notenbank und ein Ölpreisschub, der die Inflation weiter angeheizt hat.
Damals war die US Inflation sehr hoch und die US Notenbank lag aus Sicht vieler Beobachter deutlich zurück. Das Ergebnis war ein aggressiver Zinserhöhungszyklus, der Risiko Anlagen insgesamt belastete, inklusive Bitcoin. Krüger argumentiert, dass die Lage 2026 anders ist. Die Fed sei eher im Modus Abwarten und Beobachten, die Inflation tendiere nach unten und die realen Zinsen seien deutlich höher. Damit habe die Notenbank mehr Spielraum, einen vorübergehenden Ölpreisschock nicht sofort mit noch strafferer Politik zu beantworten.
Er verweist auch auf Aussagen von Notenbankern, die zwar kurzfristige Effekte durch Ölpreise nicht abstreiten, aber vor allem darauf achten, ob sich der Impuls dauerhaft festsetzt. Auch aus der US Politik kommt das Signal, dass die Ausgangslage heute eine andere sei als 2022. Mehrere Fed Vertreter haben sich seit Beginn der neuen Spannungen geäußert, ohne ihre grundsätzliche Linie zu ändern. Einige halten sogar weiterhin Zinssenkungen in diesem Jahr für möglich, falls die Inflation weiter nachgibt.
Öl Schock ja, aber wahrscheinlich nicht dauerhaft
Der zweite große Punkt in Krügers Analyse betrifft den Energiemarkt. 2022 hatte Europa schlagartig deutlich weniger Zugriff auf russisches Öl und Ölprodukte, ein Einschnitt, der sich durch Sanktionen und neue Lieferketten als langfristig erwies. Der Ölpreis sprang stark an und blieb über Monate hoch.
Im aktuellen Konflikt sieht Krüger eher das Risiko einer temporären Störung. Irans Exporte liefen bereits zuvor zu großen Teilen über inoffizielle Kanäle, viele Schiffe sind ohnehin sanktioniert. Zusätzliche Sanktionen würden daher nicht automatisch den gleichen strukturellen Effekt auslösen wie 2022.
Viel wichtiger ist laut Krüger die Straße von Hormus. Dort wird ein großer Teil des globalen Ölhandels verschifft, und der Schiffsverkehr soll deutlich zurückgegangen sein. Trotzdem zeigt aus seiner Sicht die Terminstruktur der Öl Futures, dass der Markt derzeit eher an eine begrenzte Störung glaubt. Kurzfristige Kontrakte seien deutlich stärker gestiegen als langfristige, ein Zeichen dafür, dass Händler aktuell noch kein dauerhaftes Angebotsproblem einpreisen.
Worauf Bitcoin Anleger jetzt achten sollten
Krüger macht aber auch klar, was die Lage kippen könnte. Wenn Angriffe nicht nur den Transport behindern, sondern Raffinerien oder LNG Anlagen direkt und wiederholt treffen, kann aus einem vorübergehenden Schock schnell ein längerfristiges Problem werden. Schäden an Raffinerien brauchen Monate zur Reparatur, das würde Angebot und Preise strukturell beeinflussen. Er erwähnt zudem das Risiko, dass es nicht nur um Rohöl geht, sondern auch um Ölprodukte und Gas, insbesondere wenn größere LNG Kapazitäten ausfallen.
Für Bitcoin lautet die praktische Schlussfolgerung: Anleger sollten weniger versuchen, die Chartform von 2022 nachzuzeichnen, sondern stärker auf die Makro Signale achten. Ein wichtiger Indikator sei, ob die langfristigen Öl Futures plötzlich deutlich stärker anziehen. Wenn der hintere Teil der Kurve kräftig nach oben neu bewertet wird, wäre das ein Hinweis, dass der Markt die Störung nicht mehr als kurzzeitig sieht. Bis dahin warnt Krüger davor, einen geopolitischen Schock automatisch mit einer Liquiditätskrise wie 2022 gleichzusetzen.