Bitcoin ist nach der Ablehnung nahe der jüngsten lokalen Hochs wieder unter 78.000 Dollar gefallen. Genau hier wird es jetzt kritisch: Der Spotmarkt wirkt zwar noch nicht panisch, doch im Optionsmarkt sichern sich Trader weiter deutlich gegen fallende Kurse ab. Besonders die Zone um 75.000 Dollar rückt dadurch in den Fokus, denn dort könnte eine ungünstige Gamma-Struktur zusätzlichen Verkaufsdruck auslösen.
Glassnode sieht im Optionsmarkt derzeit kein Bild aggressiver Kauflaune. Stattdessen zeigen die Daten eine vorsichtige Positionierung, sinkende Volatilitätserwartungen und eine weiter hohe Nachfrage nach Absicherung. Das ist wichtig, weil es nicht nur um den aktuellen Rücksetzer geht, sondern um die Frage, ob Bitcoin gerade nur an einer Widerstandszone gescheitert ist oder ob sich daraus neuer Druck in Richtung der mittleren 75.000-Dollar-Zone entwickelt.
BTC broke back below $78K after being rejected near the recent local range highs.
— glassnode (@glassnode) May 22, 2026
Here’s what BTC options data shows on positioning, volatility expectations, and sentiment beneath the surface. pic.twitter.com/CVK37HjvXE
Warum der Rücksetzer gefährlicher wirkt als gedacht
Auf den ersten Blick wirkt die Lage fast ruhig. Die implizite Volatilität für Bitcoin ist laut Glassnode nach einem kurzen Anstieg wieder gefallen. Die einwöchige implizite Volatilität liegt nur noch bei rund 31 Prozent, nachdem sie zuvor bei etwa 39 Prozent notiert hatte. Auch länger laufende Laufzeiten gingen leicht zurück.
Das bedeutet: Der Markt preist kurzfristig keinen chaotischen Ausbruch ein. Doch diese Ruhe ist kein bullisches Signal. Denn gleichzeitig bleibt die Absicherung gegen fallende Kurse teuer. Der sogenannte 25-Delta-Skew liegt weiter klar im Bereich der Put-Optionen. Puts dienen als Schutz gegen fallende Preise. Wenn sie gegenüber Calls teurer sind, zeigt das: Marktteilnehmer zahlen lieber für Sicherheit, statt offensiv auf steigende Kurse zu setzen.
Kurz nach der Ablehnung bei rund 82.000 Dollar stieg der einwöchige Skew zeitweise auf 24 Prozent. Das zeigt, wie schnell die Nachfrage nach Schutz wieder zunahm. Auch wenn sich der Wert danach etwas entspannte, bleibt die Botschaft klar: Der Markt traut dem kurzfristigen Aufwärtsversuch noch nicht.
Diese 75.000-Dollar-Zone kann den Abverkauf beschleunigen
Besonders heikel ist die Gamma-Struktur. Glassnode verweist auf einen großen Short-Gamma-Bereich nahe 75.000 Dollar. Dort liegt rund 3,2 Milliarden Dollar an negativer Exposure unterhalb des aktuellen Spotpreises.
Das klingt technisch, hat aber eine klare Bedeutung: Nähert sich Bitcoin dieser Zone, können Absicherungsbewegungen von Optionshändlern bestehende Kursbewegungen verstärken. Fällt der Kurs weiter, müssen Dealer unter Umständen so hedgen, dass zusätzlicher Verkaufsdruck entsteht. Genau deshalb kann eine Bewegung in Richtung 75.000 Dollar schneller und schärfer werden als ein normaler Rücksetzer.
Gleichzeitig liegen bei 78.000 und 80.000 Dollar positive Gamma-Cluster. Diese Bereiche können wie eine kurzfristige Bremse nach oben wirken. Bitcoin steckt damit in einer unangenehmen Spanne: Über dem Kurs wartet Widerstand, darunter liegt eine Zone, in der der Abwärtsdruck zunehmen kann.
Anleger setzen weiter auf Schutz statt auf Euphorie
Auch die Optionsflüsse der vergangenen Woche zeigen keine klare Rückkehr der Risikofreude. Put-Käufe machten laut Glassnode rund 25 Prozent der Prämien aus. Gekaufte Calls kamen ebenfalls auf etwa 25 Prozent. Auffällig bleibt jedoch der hohe Anteil verkaufter Calls mit rund 25,7 Prozent. Das spricht nicht für eine breite Erwartung eines schnellen Ausbruchs nach oben.
Die Volatilitätsdaten verstärken dieses Bild. Die realisierte Einmonats-Volatilität ist auf rund 27 Prozent gefallen, während die implizite Einmonats-Volatilität näher bei 35 Prozent liegt. Optionen preisen also weiterhin mehr Bewegung ein, als Bitcoin zuletzt tatsächlich geliefert hat. Trader rechnen nicht zwingend mit einem sofortigen Crash, aber sie wollen für den Fall weiterer Schwäche abgesichert sein.
Für Bitcoin zählt jetzt vor allem eines: Der Kurs muss die Bereiche um 78.000 und 80.000 Dollar zurückerobern, um den kurzfristigen Druck zu entschärfen. Gelingt das nicht, bleibt die 75.000-Dollar-Zone das zentrale Warnsignal. Dort entscheidet sich, ob der Rücksetzer nur eine Bereinigung bleibt oder ob daraus ein echter Abverkauf wird.