Bitcoin notiert nur noch bei rund 63.700 Dollar und sendet erneut ein Warnsignal: Der Profit/Loss Stress Score ist über die kritische Marke von 70 gestiegen. Damit befindet sich der Markt wieder in einer Phase, in der ein erheblicher Teil der Bitcoin-Bestände im Verlust liegt. Noch ist keine extreme Kapitulation zu erkennen. Fällt der Kurs jedoch unter die Monatsmarke von 61.500 Dollar, könnte der Druck schnell zunehmen.
Vor einem Jahr sah die Lage deutlich stabiler aus. Bitcoin wurde damals bei etwa 114.000 Dollar gehandelt, während der Stress Score mit rund 41 lediglich ein neutrales Niveau anzeigte. Heute liegt der Kurs mehr als 40 Prozent darunter, gleichzeitig ist die Belastung der Anleger deutlich höher.
Warum die Rückkehr über 70 jetzt gefährlich wird
Der sogenannte UTXO Stress Score zeigt, wie stark sich das Verhältnis zwischen Bitcoin-Beständen im Gewinn und im Verlust verschoben hat. Werte unter 30 sprechen für einen Markt, in dem der Großteil des Angebots im Gewinn liegt. Zwischen 70 und 90 herrscht hoher Stress. Werte oberhalb von 90 signalisieren eine extreme Verschiebung in Richtung Verlust.
Aktuell steht der Indikator bei 71,58 Punkten. Damit hat Bitcoin gerade erst den unteren Bereich der Hochstresszone betreten. Das bedeutet: Viele Coins wurden oberhalb des aktuellen Kurses gekauft und werden inzwischen mit einem Buchverlust gehalten.
Diese Situation erhöht die Gefahr zusätzlicher Verkäufe. Anleger, die nach einem Kursrückgang auf eine schnelle Erholung gehofft haben, könnten bei neuen Tiefständen die Geduld verlieren. Besonders kritisch wird es, wenn langfristige Halter und kurzfristige Käufer gleichzeitig beginnen, ihre Positionen abzubauen.
Der Markt ist allerdings noch weit von den extremsten Werten des vergangenen Jahres entfernt. Im November 2025 erreichte der Stress Score während des damaligen Einbruchs den Maximalwert von 100. Zu diesem Zeitpunkt war das Verhältnis zwischen Gewinn- und Verlustbeständen vollständig gekippt.
Im August 2025 zeigte sich das Gegenteil: Nahe der damaligen Kurshochs sank der Wert bis auf 24,27 Punkte. Ein Großteil des Angebots befand sich damals im Gewinn. Seitdem hat sich die Marktstruktur grundlegend verschlechtert.
Der Verkaufsdruck nimmt erstmals wieder zu
Zusätzliche Hinweise liefert die wöchentliche Dynamik des Stress Scores. Sie misst, wie stark sich die Belastung innerhalb von sieben Tagen verändert. Ein positiver Wert bedeutet, dass der Stress zunimmt. Ein negativer Wert zeigt eine Entspannung.
Während des vergangenen Monats lag diese Dynamik überwiegend unter null. Obwohl sich der Stress Score größtenteils zwischen 65 und 76 Punkten bewegte, nahm der Druck zunächst langsam ab. Eine echte Erholung war das jedoch nicht. Die Veränderung blieb jederzeit innerhalb einer Spanne von plus oder minus zehn Punkten und damit deutlich unterhalb eines schnellen Regimewechsels.
Inzwischen hat sich das Bild wieder gedreht. Die Dynamik liegt bei rund plus drei Punkten. Der Stress steigt damit noch nicht explosionsartig, aber erstmals wieder spürbar an. Genau diese Kombination macht die aktuelle Lage heikel: Der langfristige Indikator befindet sich bereits in der Hochstresszone, während die kurzfristige Dynamik erneut nach oben zeigt. Aus einer langsamen Stabilisierung könnte damit wieder eine Verschlechterung werden.
Für eine Entwarnung müsste der Stress Score nachhaltig unter 70 fallen. Gleichzeitig sollte die wöchentliche Veränderung erneut negativ werden. Erst dann würde sich bestätigen, dass mehr Bitcoin-Bestände wieder in die Gewinnzone zurückkehren und der Verkaufsdruck nachlässt.
Diese Marke entscheidet über Erholung oder Abverkauf
Kurzfristig richtet sich der Blick auf das Monatstief bei etwa 61.500 Dollar. Solange Bitcoin oberhalb dieser Zone bleibt, besteht die Chance auf eine Stabilisierung. Eine Kurserholung könnte den Stress Score wieder unter 70 drücken und damit den Weg für eine breitere Entspannung öffnen.
Ein Bruch der Unterstützung würde dagegen das Risiko deutlich erhöhen. Weitere Kursverluste könnten zusätzliche Bestände in den Verlust drücken und den Stress Score in Richtung 90 treiben. Steigt gleichzeitig die wöchentliche Dynamik über plus zehn Punkte, wäre das ein klares Zeichen für eine beschleunigte Verschlechterung.
Noch befindet sich Bitcoin nicht in einer extremen Kapitulationsphase. Die aktuelle Struktur zeigt aber, dass der Markt verletzlich bleibt. Der Kurs liegt weit unter dem Niveau des Vorjahres, viele Anleger sitzen auf Verlusten und die zuvor nachlassende Belastung nimmt wieder zu.
Jetzt zählt genau die Zone zwischen 61.500 Dollar und der Stressmarke von 70: Hält sie, bleibt eine Erholung möglich. Bricht sie, droht aus dem aktuellen Warnsignal der nächste echte Abverkauf zu werden.