Der jüngste Rücksetzer bei Bitcoin sorgt auf Krypto Social Media für Nervosität. In institutionellen Kreisen wird die Lage laut Matt Hougan, CIO von Bitwise, jedoch ganz anders bewertet. In einem Interview am 2. März mit Scott Melker erklärte Hougan, viele professionelle Investoren sehen die niedrigeren Kurse nicht als Warnsignal, sondern als Chance zum Einstieg.
Institutionen nutzen den Dip als Einstieg
Hougan beschreibt, dass große Anleger oft deutlich langsamer handeln als Privatinvestoren. Ein Beispiel aus seiner Praxis: Ein potenzieller Kunde war rund zwei Jahre mit Bitwise im Gespräch, bevor er schließlich 11 Millionen US Dollar investierte. Für Hougan ist das kein plötzlicher Sinneswandel, sondern typisch für institutionelle Abläufe.
Bei Bitwise dauere es im Schnitt acht Meetings, bis ein Kunde wirklich Kapital zuweist, und diese Treffen fänden oft nur quartalsweise statt. Deshalb komme ein Teil des Geldes erst jetzt in Bewegung, obwohl der ETF Boom schon länger läuft. Hougan betont, viele dieser Investoren kennen die Volatilität von Krypto und warten gezielt auf einen günstigeren Einstieg.
Als weiteres Indiz nennt er, dass Spot Bitcoin ETFs selbst in starken Abwärtswochen teils Nettozuflüsse verzeichneten. Für ihn spricht das dafür, dass Institutionen weiterhin der entscheidende zusätzliche Käufer am Markt sind und schrittweise weiter aufbauen.
Andere Perspektive als bei Privatanlegern
Hougan zeichnet einen klaren Unterschied zwischen Krypto nativer Stimmung und dem Blick von Vermögensverwaltern, RIAs und größeren Institutionen. Während sich viele Privatanleger bereits im Bärenmarkt Modus sehen, verweist er auf den starken Einbruch des Crypto Fear and Greed Index bis auf 5, denken Institutionen eher in langen Zeiträumen.
Laut Hougan planen diese Akteure Allokationen für fünf bis zehn Jahre. Seine Beobachtung: Selbst Menschen, die aktuell sehr pessimistisch auftreten, würden langfristig oft trotzdem an steigende Bitcoin Kurse glauben, wenn man sie nach dem Blick auf die nächsten zehn Jahre fragt.
Typisch sei außerdem ein stufenweises Vorgehen: Viele Berater kaufen Bitcoin zunächst privat, halten die Position ungefähr ein Jahr und starten danach mit kleinen Mandaten. Häufig beginne es mit den ersten zehn Kunden, die schon lange nach Krypto fragen. Der eigentliche Skalierungsschritt komme, wenn daraus 100 Kunden werden.
Vertrieb öffnet sich, und die Erwartungen bleiben hoch
Auch bei den großen Vertriebswegen sieht Hougan Fortschritte. Nach seiner Aussage könnten inzwischen drei von vier großen US Wirehouses aktiv mit Kunden über Bitcoin sprechen, die vierte Plattform dürfte folgen. Gleichzeitig seien noch etwa 20 bis 25 Prozent der Wealth Manager für Krypto Engagements weiterhin gesperrt, was zeigt, dass die Öffnung noch nicht abgeschlossen ist.
Hougan geht davon aus, dass Bitcoin ETFs langfristig deutlich wachsen können. Seine These: Irgendwann könnten sie eine Billion US Dollar an verwaltetem Vermögen erreichen. Aus seiner Sicht ist das eher eine Frage der Zeit als der Richtung.
Im Vergleich zu früheren Bärenmärkten wirke diese Phase für ihn weniger existenziell. Statt Angst und Kapitulation sehe er bei vielen Profis eher den Gedanken, dass ein Rücksetzer in den Vier Jahres Zyklus passt, und dass Themen wie Digitalisierung und Sorgen um Fiat Währungen Bitcoin zusätzlich stützen. Sollte diese Sichtweise dominieren, könnte der aktuelle Dip vor allem eines sein: ein Übergang, bei dem kurzfristig orientiertes Retail Kapital an langsamere, aber größere institutionelle Käufer abgegeben wird.
Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung lag Bitcoin bei 66.360 US Dollar.