Bitcoin sendet nach Monaten der Schwäche wieder vorsichtige Lebenszeichen. BTC notiert aktuell bei rund 78.870 Dollar und liegt damit mehr als 20 Prozent über dem Februartief. Die heutige Handelsspanne reicht bislang von 74.900 bis 79.449 Dollar. Damit bewegt sich Bitcoin wieder an einer Zone, die charttechnisch und psychologisch relevant ist. Genau hier setzt auch eine neue Einschätzung von Grayscale an.
Grayscale sieht einen tragfähigen Boden, aber nicht exakt bei 63.000 Dollar
Grayscale Research argumentiert aktuell, dass Bitcoin inzwischen einen dauerhafteren Boden ausgebildet haben könnte. Entscheidend ist dabei ein wichtiger Punkt: In der offiziellen Grayscale-Einordnung ist nicht von einem exakt festgezurrten Tief bei 63.000 Dollar die Rede, sondern von einem tragfähigen Boden im Bereich von 65.000 bis 70.000 Dollar. Der Kern der These lautet, dass viele jüngere Käufer inzwischen wieder nahe ihrem Einstand handeln und damit der unmittelbare Verkaufsdruck nachlässt. Für den Markt ist das relevant, weil Rallys oft erst dann belastbarer werden, wenn ein größerer Teil der zuletzt eingestiegenen Anleger nicht mehr im Verlust steht.
Grayscale verweist dabei konkret auf die Gruppe der Coins, die in den vergangenen ein bis drei Monaten bewegt wurden. Deren durchschnittlicher Einstand liege ungefähr im Bereich von 74.000 Dollar. Wenn Bitcoin darüber bleibt oder weiter steigt, wechseln mehr dieser Marktteilnehmer in die Gewinnzone. Genau das wäre aus Sicht von Grayscale ein frühes Signal dafür, dass aus einer Erholung schrittweise wieder eine bullischere Marktphase werden könnte.
On-Chain und ETF-Flows werden besser, aber der Markt ist noch nicht frei
Auch andere Daten stützen das Bild einer vorsichtigen Verbesserung, ohne bereits Entwarnung zu geben. Glassnode schrieb in seinem aktuellen Market Pulse, dass sich Bitcoin um 70.000 Dollar stabilisiert habe, ETF-Flows wieder freundlicher aussähen und der Verkaufsdruck nachlasse. Gleichzeitig betont die Analyse aber auch, dass das Spotvolumen gedämpft bleibt und über dem Markt weiter Angebotszonen liegen. Anders gesagt: Die Struktur wird sauberer, doch für einen wirklich belastbaren Aufwärtstrend braucht es noch stärkere Nachfrage.
Dazu passt auch der Blick auf die Long-Term Holder. Laut Glassnode liegt die monatliche Nettoveränderung der Bestände langfristiger Halter zuletzt bei rund 109.778 BTC im Plus. Das ist kein spektakulärer Sofortindikator, zeigt aber, dass der Markt unter der Oberfläche wieder mehr Coins in stärkere Hände überführt. Parallel dazu meldet CoinGlass für die US-Spot-Bitcoin-ETFs kumulierte Nettozuflüsse von rund 58,4 Milliarden Dollar und für den 21. April noch immer einen positiven Tageswert von rund 11,8 Millionen Dollar. Das spricht für anhaltendes institutionelles Interesse, auch wenn die Dynamik derzeit nicht linear nach oben verläuft.
78.000 Dollar bleiben die entscheidende Hürde
MarketWatch verwies bereits vergangene Woche darauf, dass ein nachhaltiger Halt oberhalb von etwa 75.200 Dollar die Struktur klar verbessern würde, während der nächste wichtige Widerstand im Bereich um 78.200 Dollar liege. Erst wenn diese Zone sauber überwunden wird (aktuelles Kursniveau bei $78.880), öffnet sich aus technischer Sicht deutlicher Raum nach oben.
Genau deshalb ist die aktuelle Lage für Bitcoin so spannend. Unter der Oberfläche sprechen mehrere Signale dafür, dass die Phase der härtesten Schwäche hinter dem Markt liegen könnte. Gleichzeitig steht BTC jetzt an einer Hürde, an der sich entscheidet, ob aus einer Erholung tatsächlich der Beginn eines neuen Bullenmarkt-Abschnitts wird oder ob der Markt zunächst weiter in einer breiten Übergangsphase stecken bleibt. Grayscale sieht den Boden als zunehmend tragfähig an. Der Chart verlangt nun den Beweis über 78.000 Dollar.