Der Bitwise-Fonds BHYP ist seit dem 15. Mai an der NYSE gelistet – und auf die Anteile werden inzwischen auch Optionen gehandelt. Damit entsteht ein neuer, regulierter Hebel auf den Token HYPE, den der Fonds als Spot-Bestand hält und teilweise intern staked. Der Haken: BHYP-Optionen sind nur zu US-Handelszeiten handelbar, während HYPE an Spot- und Perpetual-Märkten rund um die Uhr läuft. Das kann dazu führen, dass BHYP zum Handelsstart mit Auf- oder Abschlag zum Nettoinventarwert notiert, besonders nach dem Wochenende.
Optionen auf BHYP: Regulierte Hebelwirkung, neue Preissignale
Mit den BHYP-Optionen bekommen Marktteilnehmer ein Instrument, um HYPE-Risiken in einem regulierten Umfeld zu bepreisen. Calls ermöglichen eine gehebelte Positionierung auf steigende Kurse bei begrenztem Kapitaleinsatz. Umgekehrt können Puts zur Absicherung oder als Wette auf fallende Kurse dienen.
Auch Strategien wie Covered Calls oder ein Collar sind damit grundsätzlich abbildbar: Wer bereits über BHYP exponiert ist, kann über Calls Zusatzerträge anstreben oder über Put-Käufe das Abwärtsrisiko begrenzen und die Kosten des Schutzes über Call-Verkäufe teilweise kompensieren.
Besonders relevant: Ein Standard-Optionskontrakt umfasst 100 zugrunde liegende Aktien. Bei 50.000 offenen Kontrakten entspräche das rechnerisch rund 2,8 Millionen HYPE beziehungsweise mehr als 200 Millionen US-Dollar Nominalwert – ein Volumen, das im Extremfall spürbaren Absicherungsbedarf auslösen kann.
24/7-HYPE versus US-Handelszeiten: So entstehen Gaps und Aufschläge
Der strukturelle Unterschied der Handelszeiten ist der Kern des Risikos. Während BHYP-Optionen nur während der US-Optionshandelszeiten handelbar sind, wird HYPE durchgehend gehandelt. Das Zeitfenster zwischen Freitagsschluss und Montagseröffnung erzeugt damit ein spezielles Wochenendrisiko: Bewegt sich HYPE stark, kann BHYP am Montag deutlich „gappen“.
Für Market Maker und Händler bedeutet das zusätzliche Komplexität. Um Risiken zu steuern, könnten sie sich über HYPE-Spot oder HYPE-Perpetuals absichern müssen. Gleichzeitig kann Optionsfluss den Kurs der BHYP-Anteile beeinflussen: Große Call-Käufe können Händler dazu veranlassen, BHYP-Anteile zu kaufen, während große Put-Käufe Verkäufe auslösen können. Wie groß dieser Effekt ausfällt, hängt von Liquidität, Open Interest und der Markttiefe bei HYPE ab.
Staking-Rendite und Rücknahme-Risiko: Bitwise warnt vor Unstaking-Queue
BHYP integriert internes Staking. Bitwise nennt hierfür per 16. Juni eine Bruttorendite von 2,25 Prozent und eine Nettorendite von 1,18 Prozent. Rund 70 Prozent des Fondsvermögens sind derzeit gestaked (Zum Artikel: Was ist Staking?). Zudem gibt Bitwise an, dass 0,561095 HYPE je BHYP-Anteil hinterlegt sind.
Das Staking bringt jedoch einen operativen Nachteil mit: In der SEC-Einreichung warnt Bitwise, dass HYPE im Unstaking-Queue die Fähigkeit des Fonds einschränken könnte, Rücknahmen zeitnah zu bedienen.
Bitwise will mit HYPE nicht nur halten, sondern auch Staking-Erträge erzielen. Dafür muss ein Teil der HYPE-Token aber im Staking gebunden werden.
Der Nachteil: Wenn Bitwise diese HYPE-Token wieder frei machen will, geht das nicht sofort. Sie müssen erst durch eine Unstaking-Queue.
Für Anleger ist das vor allem dann relevant, wenn es in Stressphasen zu erhöhten Rückgaben kommt und der Fonds nicht sofort über die gesamten Bestände verfügen kann.
Hinzu kommt ein weiterer Mechanismus im Hyperliquid-Ökosystem: Das Protokoll leitet 99 Prozent der Netto-Protokollgebühren in einen Assistance Fund um, der HYPE am offenen Markt kauft. Diese Rückkäufe sind durch Protokollregeln gesteuert, aber vertraglich nicht garantiert.
Hyperliquid verarbeitete laut DeFiLlama rund 244 Milliarden US-Dollar an Perpetual-Handelsvolumen in 30 Tagen und hatte mehr als 9,6 Milliarden US-Dollar Open Interest. Bitwise verweist zudem darauf, dass das Protokoll im Jahr 2025 ein Handelsvolumen von 2,9 Billionen US-Dollar verarbeitet habe und etwa 60 Prozent des On-Chain-Derivate-Open-Interest kontrolliere.