Eine On‑Chain-Analyse weist den sogenannten Realized Price von XRP derzeit bei 1,48 US-Dollar aus und stellt fest, dass die aktuelle Marktstruktur stark an frühe 2022er‑Phasen erinnert. Diese Beobachtung rückt das Verhältnis zwischen kurzfristigen Akkumulierern und längerfristigen Inhabern in den Fokus und wirft die Frage auf, welche Marktmechaniken aus dieser Konstellation folgen können.
Die Aussage ist relevant, weil On‑Chain‑Metriken wie der Realized Price und Kohorten‑Analysen Marktteilnehmern ein Bild über durchschnittliche Kostenbasen und Umschichtungen liefern. Wenn sich aktuelle Muster wiederholen, könnten das Handelvolumen, die Liquiditätslage und damit auch die Wahrscheinlichkeit von Preisbewegungen beeinflusst werden.
The XRP Realized Price is trading at $1.48. The current market structure is very similar to that of April 2022.
📉 glassno.de/49Qh066glassnode (@glassnode)The current market structure for XRP closely resembles that of February 2022.
Investors active over the 1W–1M window are now accumulating below the cost basis of the 6M–12M cohort.
As this structure persists, psychological pressure on top buyers continues to build over time.
📉 glassno.de/3Nu6Vmu— https://x.com/glassnode/status/2013280386785112488— glassnode (@glassnode) Feb 1, 2026
Was der Realized Price und Kohortenbewegungen bedeuten
Der Realized Price ist kein Momentanpreis, sondern eine Kennzahl, die den Durchschnittspreis angibt, zu dem bestehende Einheiten der Kryptowährung zuletzt bewegt wurden. Er dient als grobe Näherung der aggregierten Kostenbasis von Marktteilnehmern. Wenn diese Kennzahl bei 1,48 US-Dollar liegt, bedeutet das nicht automatisch, dass alle Marktakteure bei diesem Kurs gekauft haben, wohl aber, dass ein statistischer Mittelwert der realisierten Kosten in diesem Bereich liegt.
Kohortenanalysen trennen Adressen nach Halteperioden, hier etwa 1W–1M (kurzfristige Inhaber) versus 6M–12M (mittelfristige Inhaber). Dass Investoren im 1W–1M‑Fenster unterhalb der Kostenbasis der 6M–12M‑Kohorte akkumulieren, heißt konkret: neuere Käufe erfolgen günstiger als der Durchschnittspreis einer früheren Haltegruppe. Diese Divergenz ist ein wichtiges Signal für das Gleichgewicht von Angebot und Nachfrage und hilft zu verstehen, welche Marktsegmente potenziell Druck aufbauen oder bereit sind, Positionen zu verteidigen.
Warum Akkumulation unterhalb älterer Kostenbasen psychologischen Druck erzeugen kann
Wenn neuere Akteure systematisch unter der Kostenbasis älterer Inhaber kaufen, verändert das die psychologische und wirtschaftliche Lage der langfristigen Käufer. Längerfristige Inhaber sehen ihre relative Position verlustbehaftet im Vergleich zu aktuellen Käufern, auch wenn sie einzelne Coins nicht verkauft haben. Diese Diskrepanz erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass einige von ihnen Gewinnmitnahme‑ oder Verlustbegrenzungsentscheidungen treffen, sollte die Seitwärtsphase andauern oder Volatilität zunehmen.
Der Druck entsteht nicht nur aus der reinen Differenz zwischen aktuellen Marktpreisen und historischen Kostenbasen, sondern aus der Erwartung, wie der Markt auf zusätzliche Verkäufe reagieren würde. Wenn große, ältere Kohorten beginnen, liquiden Markt zu suchen, kann das Orderbuch schnell dünner werden und kurzfristige Käufer, die gerade günstiger eingestiegen sind, könnten ihrerseits defensiv reagieren. Das ist eine typische Dynamik in illiquiden Phasen und erklärt, warum ähnliche Strukturen in der Vergangenheit zu markanten Bewegungen geführt haben.
Gleichzeitig ist zu beachten, dass Akkumulation unterhalb älterer Kostenbasen auch als Aufbau einer neuen, niedrigeren Basis interpretiert werden kann, die sukzessive Volumen absorbiert. Ob dies zu nachhaltiger Stützung oder zu einer Kaskade von Verkäufen führt, hängt von Liquidität, Verteilung der Bestände und externen Auslösern ab.
Welche Szenarien aus dem Muster folgen könnten und welche Faktoren entscheidend sind
Aus historischer Perspektive führen ähnliche Muster in zwei grundsätzlich unterschiedlichen Richtungen: a) Begrenzte Veräußerungen älterer Kohorten, gefolgt von einer Erholung, wenn die neueren Akkumulierer die Nachfragebasis stabilisieren; oder b) graduelle oder abrupte Verkäufe aus den 6M–12M‑Beständen, die kurzfristige Abwärtsimpulse auslösen. Welche Richtung eintritt, hängt von mehreren Faktoren ab.
Entscheidend sind die Verteilung der Bestände (sind wenige Adressen überproportional groß?), die Liquidität an Handelsplätzen und der Einfluss externer Nachrichten oder Regulierungsereignisse. Auch die Verhaltensweise institutioneller Marktteilnehmer und Market‑Maker spielt eine Rolle: Sind sie bereit, Absorptionskapazität zu stellen, oder reduzieren sie Exposure? In einem Umfeld mit geringer Liquidität können bereits moderate Verkäufe große Preisbewegungen nach sich ziehen.
Für Anleger bedeutet das: Die beobachtete Struktur ist ein Warnsignal, aber kein unmittelbarer Beleg für einen bevorstehenden Zusammenbruch. Sie beschreibt ein Spannungsfeld zwischen Kurz‑ und Mittelfrist‑Inhabern, das sowohl konstruktiv (Absorption, neue Unterstützung) als auch destruktiv (Kapitalflucht, Preisverfall) aufgelöst werden kann. Die Bewertung der Lage erfordert Beobachtung weiterer On‑Chain‑Indikatoren, Orderbuch‑Daten und Makro‑Einflüsse, um die wahrscheinlichste Richtung abzuschätzen.