XRP steckt nach heftigen Liquidationen in einer ungewöhnlichen Ausgangslage: Spekulative Positionen wurden deutlich abgebaut, größere XRP-Zuflüsse zu Binance bleiben aber aus. Gleichzeitig hat sich das kurzzeitig negative Funding bereits wieder ins Positive gedreht. Der XRP-Kurs hält sich am 6. September bei rund 1,41 Dollar nahezu stabil.
Damit verschiebt sich der entscheidende Konflikt. Noch vor wenigen Tagen drohte die hohe Hebelwirkung den Rücksetzer zu verschärfen. Jetzt ist ein Teil dieses Risikos aus dem Markt verschwunden. Für eine belastbare Erholung fehlt XRP allerdings noch der Ausbruch über den Bereich um 1,45 Dollar.
Erst fliegen Shorts, dann Longs aus dem Markt
Die Bereinigung am Terminmarkt verlief in beide Richtungen. Nach Daten aus einer aktuellen CryptoQuant-Analyse wurden am 3. September Short-Positionen im Wert von rund 4,67 Millionen Dollar liquidiert, als XRP innerhalb eines Tages um mehr als 7 Prozent zulegte. Bereits am folgenden Handelstag traf die Gegenbewegung die Käufer: Long-Liquidationen stiegen auf rund 8,23 Millionen Dollar.
Innerhalb von nur 48 Stunden wurden damit Positionen im Wert von rund 14,2 Millionen Dollar aus dem Markt gedrängt. Parallel dazu sank das von CryptoQuant für Binance ausgewiesene Open Interest von rund 558 Millionen auf 478 Millionen Dollar. Das entspricht einem Rückgang um etwa 14 Prozent. Auch die Estimated Leverage Ratio fiel von 0,203 auf 0,182.

Zum Vergleich: CryptoQuant definiert die Kennzahl als Verhältnis zwischen Open Interest und den Reserven einer Börse. Je höher sie liegt, desto stärker ist der Markt im Verhältnis zum verfügbaren Bestand gehebelt. Ende August hatte die Binance-Kennzahl noch bei rund 0,21 und damit auf einem Mehrmonatshoch gelegen.
Die Überhitzung hat sich damit merklich reduziert. Vollständig entspannt ist die Lage allerdings noch nicht: Laut der vorliegenden Analyse liegt die Leverage Ratio weiterhin über ihrem Sechsmonatsdurchschnitt von 0,164.
Das negative Funding war nur von kurzer Dauer
Besonders auffällig war am 5. September der Rutsch des Binance-Fundings unter null. Laut CryptoQuant war es der erste negative Messwert nach 14 Handelssitzungen mit positivem Funding.
Negatives Funding bedeutet grundsätzlich, dass Short-Trader die Long-Seite bezahlen. Es kann damit auf eine stärkere Nachfrage nach Short-Positionen hindeuten. Positives Funding funktioniert umgekehrt.
Doch dieser Zustand hielt nicht lange an. Aktuellere Binance-Daten zeigen, dass die XRP-Funding-Rate am 6. September bereits wieder auf rund +0,005 Prozent gestiegen ist. Am 5. September waren zeitweise negative Werte verzeichnet worden.
Das ist für die Einordnung entscheidend: Der Markt ist nicht einfach von einer überfüllten Long-Seite in eine massive Short-Wette gekippt. Stattdessen spricht die schnelle Normalisierung eher dafür, dass während der heftigen Kursausschläge Positionen auf beiden Seiten bereinigt wurden.
XRP selbst handelt derzeit um 1,41 Dollar. Gegenüber dem Niveau von Ende August bleibt der Kurs leicht höher, obwohl ein erheblicher Teil der spekulativen Positionierung abgebaut wurde.
Warum 1,45 Dollar jetzt über die Erholung entscheiden
Noch interessanter wird die Situation beim Blick auf die Spot-Seite. Nach den von CryptoQuant ausgewerteten Binance-Daten lagen die XRP-Zuflüsse zuletzt bei lediglich 510.229 XRP und damit bei rund 6,6 Prozent ihres Sechsmonatsdurchschnitts. Die Abflüsse erreichten 160.247 XRP beziehungsweise rund 2,1 Prozent des längerfristigen Durchschnitts.
Auch die Zahl aktiver Einzahlungsadressen brach auf nur 36 ein. Das entspricht laut Analyse einem Rückgang von rund 91 Prozent gegenüber dem Quartalsniveau. Gleichzeitig blieb die XRP-Reserve auf Binance mit rund 2,618 Milliarden Token praktisch unverändert.
Das ist relevant, weil der Abbau der Hebelpositionen bislang nicht von einem deutlichen Anstieg der auf Binance verfügbaren XRP begleitet wird. Ein solcher Reserveanstieg könnte auf mehr potenzielles Verkaufsangebot hindeuten. Genau das ist bislang nicht zu erkennen. Für den Kurs entsteht daraus ein klarer Konflikt.
Auf der Oberseite bleibt zunächst der Bereich um 1,45 Dollar entscheidend. XRP schloss bereits am 3. September in dieser Region, konnte das Niveau anschließend aber nicht halten. Ein nachhaltiger Ausbruch darüber würde die kurzfristige Struktur verbessern und könnte den Bereich um 1,50 bis 1,52 Dollar wieder in den Fokus rücken. Die jüngsten Kursdaten zeigen 1,45 Dollar mehrfach als relevante obere Zone.
Auf der Unterseite sollten Anleger dagegen zunächst 1,40 Dollar und anschließend den Bereich um 1,35 Dollarbeobachten. Dort stabilisierte sich XRP Anfang September mehrfach. Ein Bruch dieser Zone bei gleichzeitig steigenden Binance-Reserven wäre deutlich problematischer: Dann würde die derzeitige These einer Bereinigung ohne zusätzlichen Spot-Verkaufsdruck an Glaubwürdigkeit verlieren.
Hält dagegen der Bereich zwischen 1,35 und 1,40 Dollar, während Funding und Hebelwirkung auf moderatem Niveau bleiben und die Börsenreserven nicht steigen, wäre eine Bodenbildung weiterhin möglich.
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