Bei Bitcoin verdichtet sich ein Signal, das Anleger jetzt ernst nehmen sollten: Immer weniger BTC liegen auf Handelsplattformen, während langfristige Halter weiter dominieren. Laut Binance Research sind seit dem Corona-Hoch rund 500.000 Bitcoin von Börsen abgeflossen. Damit sinkt das direkt verfügbare Verkaufsangebot auf den niedrigsten Stand seit sechs Jahren.
Das ist mehr als nur eine technische Kennzahl. Wenn weniger Bitcoin auf Börsen liegen, steht auch weniger sofort verkäufliches Angebot bereit. Trifft in so einer Phase neue Nachfrage auf einen ausgetrockneten Markt, können Kursbewegungen schneller und stärker ausfallen. Genau diese Konstellation rückt jetzt in den Fokus.
Warum das Angebot bei Bitcoin enger wird
Binance Research verweist auf vier On-Chain-Signale, die aktuell in dieselbe Richtung zeigen: Langfristige Halter bleiben dominant, spekulative Aktivität ist gedämpft, Börsenbestände fallen und kurzfristige Anleger bauen erst wieder vorsichtig Buchgewinne auf.
Besonders auffällig ist die sogenannte Supply Dormancy. Fast 60 Prozent des Bitcoin-Angebots wurden seit mehr als einem Jahr nicht bewegt. Zum Vergleich: 2012 lag dieser Wert noch bei 27 Prozent. Der Höchstwert wurde im Januar 2024 erreicht, genau in dem Monat, in dem die US-Spot-Bitcoin-ETFs genehmigt wurden.
Die Botschaft dahinter ist klar: Ein großer Teil der Bitcoin-Besitzer zeigt weiterhin wenig Verkaufsbereitschaft. Selbst große Marktereignisse haben viele dieser Coins nicht zurück in Bewegung gebracht. Das verhindert keine Rücksetzer, aber es reduziert das Angebot, das bei steigenden Kursen oder plötzlicher Volatilität sofort auf den Markt kommen könnte.
Dieses Signal spricht gegen überhitzte Spekulation
Auch der SLRV-Indikator, der kurzfristige und langfristige Coin-Aktivität vergleicht, liefert laut Binance Research ein wichtiges Bild. Der Wert liegt weiter tief in einer historischen Boden-Zone. Das deutet nicht auf Euphorie hin, sondern eher auf Markt-Apathie.
Genau das macht die Lage interessant. In überhitzten Phasen dominieren kurzfristige Spekulanten, die schnell kaufen und ebenso schnell wieder verkaufen. Aktuell sieht Binance Research jedoch ein anderes Bild: Kurzfristige Marktteilnehmer wurden zu einem großen Teil bereits aus dem Markt gedrängt, während langfristige Halter mehr Einfluss auf das verfügbare Angebot haben.
Damit entsteht ein Spannungsfeld, das für Bitcoin entscheidend werden kann. Der Markt wirkt nicht überladen mit kurzfristigem Kapital, aber gleichzeitig liegt auch weniger BTC bereit, um eine neue Nachfragewelle sofort abzufangen.
Börsenbestände fallen: Diese Verknappung zählt jetzt
Das direkteste Signal kommt von den Bitcoin-Beständen auf Börsen. Laut Binance Research ist der Anteil der auf Handelsplattformen gehaltenen BTC vom Corona-Hoch bei 17,6 Prozent des Gesamtangebots auf aktuell 15,0 Prozent gefallen. Umgerechnet entspricht das etwa 500.000 BTC, die von Börsen abgezogen wurden.
Für Anleger ist das entscheidend, weil Börsenbestände die liquideste Form von Verkaufsangebot darstellen. Coins auf Handelsplattformen können schnell verkauft werden. Coins in langfristiger Verwahrung sind dagegen nicht automatisch aus dem Markt verschwunden, aber sie stehen dem Verkaufsdruck nicht unmittelbar zur Verfügung.
Wenn diese Verknappung anhält, kann Bitcoin empfindlicher auf neue Nachfrage reagieren. Gerade bei institutionellen Käufen, ETF-Zuflüssen oder einer breiteren Markterholung könnte ein dünneres Angebot den Aufwärtsdruck verstärken.
Warum der Verkaufsdruck noch nicht zurück sein muss
Das vierte Signal betrifft kurzfristige Halter. Der STH-MVRV, eine Kennzahl für die nicht realisierten Gewinne kurzfristiger Anleger, lag laut Binance Research seit November 2024 über weite Strecken unter 1,0. Das bedeutet: Viele kurzfristige Käufer saßen zeitweise auf Verlusten oder kaum Gewinnen.
Solche Phasen können Verkaufsdruck nach und nach erschöpfen, weil schwächere Hände bereits verkauft haben. Nun ist der Wert wieder über 1,0 gestiegen. Kurzfristige Halter haben also erneut Buchgewinne, aber laut Binance Research befindet sich diese Gewinnphase noch am Anfang.
Genau hier liegt der entscheidende Punkt: Solange kurzfristige Anleger erst beginnen, Gewinne aufzubauen, ist eine sofortige große Verkaufswelle weniger wahrscheinlich. Kritisch würde es erst, wenn die Gewinne deutlich anwachsen und der Markt wieder stärker von schnellen Spekulanten dominiert wird.
Für Bitcoin zählt jetzt deshalb vor allem, ob die sinkenden Börsenbestände mit neuer Nachfrage zusammentreffen. Hält diese Angebotsverknappung an, bleibt die Chance auf eine nachhaltigere Erholung intakt. Drehen die Coins jedoch zurück auf die Börsen, wäre das ein frühes Warnsignal für neuen Verkaufsdruck. Genau diese Linie entscheidet jetzt, ob aus der Ruhe am Markt neue Stärke wird.