Die Diskussion um Quantencomputer und ihre mögliche Gefahr für Bitcoin nimmt wieder Fahrt auf. Neha Narula, Leiterin der MIT Digital Currency Initiative, hat einen konkreten Fahrplan vorgeschlagen, wie das Netzwerk sich Schritt für Schritt auf eine Zukunft mit leistungsfähigen Quantenrechnern vorbereiten kann, ohne sofort die schwierigsten Streitfragen lösen zu müssen.
MIT Forscherin will schnelle, risikoarme Schutzmaßnahmen
Narulas Hauptpunkt ist klar: Bitcoin sollte jetzt die Maßnahmen umsetzen, die wenig Risiko und wenig Nebenwirkungen haben, aber viel Sicherheitsgewinn bringen. Die komplizierten Entscheidungen mit großem Konfliktpotenzial, etwa der Umgang mit lange unbewegten oder verlorenen Coins, sollten ihrer Ansicht nach erst später getroffen werden, wenn ein wirklich gefährlicher Quantencomputer realistischer erscheint.
Sie spricht dabei von einem „cryptographically relevant quantum computer“, also einem Quantencomputer, der stark genug wäre, um heutige kryptografische Verfahren in der Praxis anzugreifen. Laut Narula braucht Bitcoin nicht sofort „100 Prozent aller Antworten“, um trotzdem sinnvolle Schritte einzuleiten.
Vorschlag: neue Output Art mit Post Quantum Signaturen per Soft Fork
Im Zentrum ihres Vorschlags steht eine pragmatische Umstellung: Bitcoin soll eine post quantum sichere Output Art einführen, zusammen mit einem neuen Signatur Mechanismus. Narula nennt als guten Kandidaten P2MR aus BIP 360, kombiniert mit einem neuen Post Quantum Signatur Opcode und „kryptografischer Agilität“, also der Fähigkeit, später leichter auf neue Verfahren umzusteigen.
Das Ziel: Nutzer sollen ihre Coins rechtzeitig in diese neue, sicherere Output Struktur verschieben können, damit sie auch dann geschützt bleiben, falls irgendwann ein starker Quantencomputer auftaucht. Entscheidend ist dabei, dass Anwender Fehler wie Adress Wiederverwendung vermeiden, weil dadurch unter Umständen wieder ein nicht post quantum öffentlicher Schlüssel sichtbar werden kann.
Narula betont aber auch, dass damit nicht automatisch das gesamte Systemproblem gelöst ist. Denn selbst wenn viele Nutzer migrieren, bleibt eine Restmenge an Bitcoin übrig, die weiterhin angreifbar sein könnte.
Die große offene Frage: Wie viele gefährdete Coins bleiben übrig?
Wie kritisch die Lage wäre, hängt laut Narula stark davon ab, wie groß der unsichere Anteil am Ende ist. Wenn nur ein winziger Bruchteil betroffen wäre, könnte Bitcoin das vermutlich verkraften. Wenn aber ein großer Anteil der Coins nicht migriert, könnte es bei einem Quanten Durchbruch chaotisch werden. Sie nennt als Beispiel: Bei 0,0001 Prozent unsicheren Coins wäre Bitcoin wahrscheinlich stabil, bei 20 Prozent könnte es dagegen ernsthafte Turbulenzen geben.
Trotz dieser Unsicherheit plädiert sie dafür, den ersten Schritt nicht zu verschleppen. Eine frühe Migration würde messbare On Chain Daten liefern, wie schnell Nutzer und Wallets umstellen, und sie würde Zeit kaufen, bevor später über härtere Maßnahmen diskutiert werden muss. Dazu zählt auch die heikle Frage, ob alte, inaktive oder vermutlich verlorene Coins irgendwann eingefroren werden sollten, ein Thema, das oft mit Satoshis frühen Beständen verbunden wird.
Narula hält zudem wenig von Ansätzen, die zwar theoretisch funktionieren könnten, aber im Alltag schwer umzusetzen wären, etwa komplizierte Script Konstruktionen oder teure Notfall Mechanismen. Ihr Fokus liegt auf einer Lösung, die sich breit ausrollen lässt und Nutzern möglichst früh echte Sicherheit bietet.
Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung lag der Bitcoin Kurs bei rund 75.802 US Dollar.